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ZIRNDORF - Mit der Nahversorgung in der Nordstadt von Zirndorf sieht es mager aus. Wer nicht gut zu Fuß ist oder kein Auto hat, tut sich schwer, Lebensmittel einzukaufen. Und die Neue Mitte Nordstadt, die dieses Defizit beheben will, lässt noch auf sich warten: In dieser Situation bewirbt sich Aldi Süd für einen Standort an der Fürther Straße im Norden der Bibertstadt. Der Bauvoranfrage hat der Stadtrat jetzt mehrheitlich entsprochen, allerdings nur unter erheblichen energetischen Auflagen. In einem ersten Anlauf war der Billiganbieter im Juli vergangenen Jahres am Bauausschuss gescheitert. Zwischenzeitlich hat der Investor das Gespräch mit den Fraktionen gesucht. Was dazu führte, dass sich jetzt der Stadtrat mit der Anfrage befasste - in Form einer ausführlichen und kontroversen Debatte, die in einer Äußerung Murat Bülbüls (Freie) gipfelte: «Wer diesem Projekt zustimmt, trägt dazu bei, dass unsere Geschäfte in der Altstadt weiter sterben und wendet sich gegen die alteingesessenen Händler in Zirndorf», meinte er.
Zwingel bleibt gelassen
Gelassener sieht das beispielsweise Bürgermeister Thomas Zwingel (SPD): «Mal ehrlich», wandte er sich ans Plenum, «wer blättert nicht durch den Packen Prospekte, die wir alle regelmäßig bekommen, um gezielt nach Angeboten zu suchen». Zwingels Prognose: Nicht die Zirndorfer Innenstadt würde leiden, eher würden sich die Kundenströme der Discounter-Standorte in der Nachbarschaft verlagern. Denn wer zu Aldi fahre, steuere dieses Geschäft gezielt an, derzeit eben an den Standorten in Oberasbach oder an der Fürther Pyramide. Zudem hätten diese Kunden eine andere Kaufmentalität als diejenigen, die den Fachhandel in der Innenstadt aufsuchten, so Zwingel. Sollte Aldi den Zuschlag nicht in Zirndorf bekommen, baue er eben in Dambach, gab er zu bedenken. Was für Zirndorf die Gefahr berge, «dass die Kunden ganz nach Fürth abwandern». Ein Standort in Dambach, so assistierte Elke Zahl (SPD), führe trotzdem zu mehr Verkehr in der Fürther Straße, «nur unsere Bürger, die gern zu Fuß einkaufen gehen wollen, haben dann nichts davon».
Nach Ansicht Jürgen Grötschs, der als Fraktionsvorsitzender der CSU von einer tiefen Spaltung in seiner Partei in dieser Frage berichtete, dürfte Aldi die Bedürfnisse der Anwohner nur bedingt erfüllen. Wie Marcus Baritsch von den Freien führte auch er die Problematik des zusätzlichen Verkehrs auf der ohnehin schon relativ stark befahrenen Hauptsverkehrsader an. «Genauso so viele, wie jetzt nach einer Einkaufsmöglichkeit in der Nordstadt schreien, werden uns hinterher empört fragen, was uns eingefallen ist, dort oben einen solchen Markt anzusiedeln», so Grötsch.
«Dort oben» meint einen Teil der Grünfläche, die sich - stadtauswärts gesehen - links von der Fürther Straße zwischen der bestehenden Bebauung und dem Weg zur Alten Veste befindet. Der Grund ist in Privatbesitz, die Eigentümer möchten verkaufen. Neben dem Aldi-Domizil wollen die Investoren auch Wohnhäuser errichten. Der Discounter soll eine Fläche von zirka 950 Quadratmetern bekommen, etwa 130 Stellplätze sieht ein Parkplatz vor.
Würde dem Anliegen entsprochen, müsste ein Bebauungsplan aufgestellt und der Flächennutzungsplan geändert werden. Eine Flurnummer ist im Flächennutzungsplan bereits als Wohnfläche, ein Teilbereich ist als Grünfläche definiert. Vor weiteren Planungsschritten war eine Grundsatzentscheidung, ob hier Einzelhandel zugelassen wird, gefragt.
Zu der kam es allerdings mit Verzögerung: Zuerst sollte der Antrag von Stadtrat Heinz Vogel (SPD), die Debatte zu beenden, scheitern. Und nach der Stellungnahme von Grünen-Stadtrat Wolfram Schaa erbat sich die SPD eine Sitzungsunterbrechung. Wenn schon ein Discounter an dieser Stelle, so hatte Schaa eingeworfen, dann nur unter der Bedingung, dass der als «echtes ökologisches Vorzeigeobjekt» gebaut werde. Und er machte Vorgaben wie in punkto Energieeffizienz, die 30 Prozent unter den Werten der aktuellen Energie-Einspar-Verordnung liegen und über die geplante Photovoltaikanlage hinaus erneuerbare Energien berücksichtigen müsse. Falls Ausgleichsflächen nötig werden, solle die nicht irgendwo, sondern auf Zirndorfer Stadtgebiet entstehen. Abrunden solle den «Öko-Aldi» der jetzige Eichenbestand, der nicht für einen «Parkplatz nach Schema F» fallen dürfe - so sah es Schaa «Wunschzettel» vor.
Sitzung unterbrochen
Diese Liste an Ergänzungen für den Beschluss hielt Schaa vorformuliert bereit. Sandra Hauber (SPD) erbat sie sich, um sie bei der Sitzungsunterbrechung mit ihrer Fraktion zu besprechen. Nur unter der Voraussetzung, dass die «grünen Punkte» eingehalten werden und sich der Markt schonend in die Umgebung einfüge, werde die SPD weitgehend zustimmen, fasste sie das Ergebnis der Auszeit zusammen.
Bei der Abstimmung fand das Ja zur Bauvoranfrage mit den ökologischen Auflagen bei 17 Ja-Stimmen und 8 Nein-Stimmen schließlich eine Mehrheit. Gegner des Discounter-Projekts fanden sich in allen Fraktionen. Auf die Frage Grötschs, ob Aldi unter diesen Bedingungen überhaupt noch Interesse habe, antwortete Norbert Ruffertshöfer als verantwortlicher Planer im Bauamt, das sei Sache des Verhandlungsgeschicks und bleibe abzuwarten. Mit einer Antwort des Investors rechnet Ruffertshöfer in drei bis vier Wochen. Gegebenfalls sei das Thema dann erneut im Stadtrat zu behandeln.
Sabine Dietz |