 |
| Bitte Bild anklicken! |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Was ist Ingo Appelt nicht alles. Publikumsmagnet, Comedian, dreifacher Familienvater, Schnellredner, Imitator, Komiker, Drecksack der Nation, Witzeerzähler, Fernsehstar, der Mann mit der Dreiecksfrisur, süffisant, schlüpfrig, zotig, und in der ausverkauften Comödie vor allem eines: kurzweilig.
Knapp drei Stunden rast Appelt von Gag zu Witz, von Parodie zum lustigen Liedchen und ist sich am Ende nicht zu blöd, singenderweise und erstaunlich selbstironisch seinen eierschalenfarbenen Anzug ab- und einen Strip der Marke «Besser geht’s nicht« hinzulegen. «Männer muss man schlagen« heißt das aktuelle Programm des Esseners. Richtig gelesen. Männer muss man schlagen. Und das behauptet ausgerechnet Appelt, das Alphamännchen par excellence.
«Fideles Friedhofsgemüse«
Wo er Recht hat, hat er Recht, werden jetzt einige Damen laut rufen, doch stopp - Appelt erklärt. Und das hat mal nichts mit Domina-Fantasien und Lederoutfit zu tun, zumindest nicht ausschließlich. Um Sex, um multiple Orgasmen («Fünf? Ich bin froh, wenn ich einen hinkrieg!«), Kontrollverlust beim Unten-Liegen, vertrocknete Körpersäfte und das per Liebeslied besungene eigene Gemächt geht es selbstredend auch; um Homoerotik in der Bundeswehr und um Eva Herman, um Merkel beim Fußball und humorvolle Männer («Warum muss der Mann Humor haben? Na ja, wir Männer wollen von den Frauen Brüste, weil wir selbst keine haben«), um Schläfer und ausgestorbene Helden («Männer bieten sich nicht mehr heldenhaft zur Hochzeit an, sondern zur Adoption!«), um drollige Fußballernamen («Haben wir früher Günni Netzi gesagt?«) und Rentner («Das fidele Friedhofsgemüse«). Sein Repertoire reicht vom zotigsten Kalauer bis hin zum geistreichen Wortwitz, sein Fundus an Anekdoten, Anspielungen, Zitaten und Fäkalbildern ist unerschöpflich. Er kennt so gut wie keine Grenzen, und selbst die dehnt er bis zur Schmerzgrenze.
Und die Männer? Die kommen dabei gegen Göttinnen, Elfen und Opferinnen immer noch ganz gut weg. Appelt greift im Grunde ein hochaktuelles Thema auf - die Rolle des Mannes in Zeiten, da Frauen alles selbst anpacken können. Wozu ist er dann noch nütze? Natürlich hat auch Appelt keine Lösungen parat, gibt aber einen äußerst heiteren Abriss des Ist-Zustandes.
Das Publikum brüllt dabei vor Lachen, wiehert, schreit, kreischt. Besonders die wirklich gut getroffenen Prominenten, vor allem Grönemeyer, Westernhagen und Lindenberg, bejubeln die Fürther heftig. Da reicht aber auch tatsächlich eine Geste, ein Hüftdreher, ein Laut, und der ganze Saal weiß, wen Appelt gerade nachahmt. Darin ist er ein Meister.
Dabei buddelt er immer wieder tief in der Schublade voller Furz, Rotz und Analverkehr. Doch inmitten all der Zoten ist dann auch immer wieder ein bisschen Wahrheit versteckt: «Wollen Männer Geschenke? Nein, wir wollen belohnt werden!« Das ist wahr und gut beobachtet.
Anderes muss man diesem Ingo Appelt aber nicht ohne weiteres glauben. Männer muss man nämlich gar nicht schlagen. CHRISTINE STUBENVOLL |