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Das City-Center als Mahnmal?

Neue Mitte: Eine Sammlung von Zeitungsartikeln soll Denkanstöße geben
 Das City-Center als Mahnmal?
Foto: Meyer, Linke
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Seit die Pläne für die Neue Mitte auf dem Tisch liegen, verweisen Kritiker des 150-Millionen-Euro-Projekts auf die Entwicklung des bereits bestehenden Einkaufszentrums - des Fürther City-Centers. 1985 mit großen Hoffnungen an den Start gegangen, ist es 24 Jahre später in arge Schieflage geraten. Das, fürchten Skeptiker wie Michael Müller, könnte auch der Neuen Mitte drohen. Mit einer Sammlung von Zeitungsartikeln, die er nun sämtlichen Stadträten zukommen ließ, wollen er und sein Mitstreiter Gert Kuntermann Parallelen ziehen.

FÜRTH - Müller engagiert sich in der Bürgerinitiative Bessere Mitte, und wie ein Großteil der Kritiker versichert er, nicht generell gegen das Projekt zu sein; dessen Ausmaße aber seien zu gigantisch. Müller, heute Rentner und früher an leitender Stelle in einem Großunternehmen der Region tätig, betrachtet die Materie mit dem Blick des Kaufmanns und meint: «Fürth läuft in Risikostrukturen hinein, die unter Umständen nicht mehr beherrschbar sein werden.» Nach seinem Dafürhalten darf die Stadt ein Filetstück ihrer City nicht in die Hände eines Großinvestors, in diesem Fall des portugiesischen Konzerns Sonae Sierra, geben. Schon einmal, eben beim damals 150 Millionen Mark teuren Bau des City-Centers, sei das schiefgegangen. Müller und Kuntermann bilanzieren zu große Dimensionen, unerfüllte Erwartungshaltungen, falschen Branchenmix und Anwohnerbeschwerden.

Erwartungen enttäuscht

Ein Blick zurück: Kurz nach der Eröffnung ging 1986 der Bauträger des City-Centers, der damals größte deutsche Anbieter von Gewerbeimmobilien «Bayern Immobilien Treuhand» (BIT), pleite. Doch schon zuvor hatte man sich nach und nach von den allzu hochfliegenden Erwartungen verabschieden müssen, das Center mit Luxusanbietern oder Geschäften des «gehobenen Bedarfs» zu bestücken. Stattdessen musste phasenweise um attraktive Mieter gerungen werden.

Entwicklungen, die auch dem heutigen städtischen Wirtschaftsreferenten Horst Müller zu denken geben, den die FN gestern mit der Materialsammlung seines Namensvetters konfrontierten. Und Horst Müller pflichtet Michael Müller bei: Zum einen dürfe man Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, zum anderen könne man «Risiken nie vollständig ausschließen», wenn es um große Bauprojekte geht – schon gar nicht in Zeiten von Globalisierung und Finanzkrisen.

Allerdings habe man im Fall Sonae Sierra «so sorgfältig wie möglich geprüft» und sei zu dem Ergebnis gelangt: «Die Risikostruktur ist überschaubar.» Zudem gebe ihm die Tatsache, dass die Firma bereits 50 Center in Europa gebaut hat und selbst betreibt, «hinreichende Gewissheit, dass sie seriös arbeitet».

Den Gegenentwurf Michael Müllers, die Kommune solle die Grundstücke an Breitscheid- und Hallstraße selbst, eventuell mit Hilfe einer Zwischenfinanzierung durch die Sparkasse, kaufen und nach eigenen Vorgaben mit «kleinräumigen Strukturen» entwickeln lassen, verweist der Wirtschaftsreferent ins Reich der Utopie. Von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag sei hier die Rede, den die Stadt niemals schultern und das Kreditinstitut nicht vorstrecken könne.

Jede Vergleichbarkeit mit der Neuen Mitte endet für Horst Müller zudem an einem Punkt, den auch die Dokumentation ausführlich beleuchtet: beim seiner Ansicht nach «größten Geburtsfehler» des City-Centers, einem Bauherrenmodell mit damals 350 Kapitalanlegern aus ganz Deutschland als Eigentümer, die sich noch dazu lange Zeit über sämtliche Schritte einig sein mussten.

Bitter gerächt

Dies, so Müller, habe jede effektive Restrukturierung und Modernisierung des Konsumtempels verhindert und räche sich bis heute bitter. Zudem habe das Center nach dem BIT-Konkurs nie mehr über einen Betreiber verfügt, der auf national oder international operierende Filialisten zugreifen konnte - wie das bei Sonae Sierra der Fall sei.

Doch Horst Müller versichert, keineswegs «besserwisserisch» erscheinen zu wollen und sieht in der akribischen Fleißarbeit von Müller und Kuntermann durchaus Nutzen für seine Tätigkeit: «Man sollte immer aus der Geschichte lernen», so der Referent.

Die Dokumentation ist auf der Homepage der Bürgerinitiative, www.bessere-mitte-fuerth.de, einzusehen und liegt in der Fürther Buchhandlung Jungkunz, Friedrichstraße 3, auf.

Wolfgang Händel
7.2.2009
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