 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
PSI-Phänomene oder «nur» ein starker, noch nicht entdeckter Sender? Seit einigen Wochen kämpfen die Bewohner eines Wohnviertels an der Cadolzburger Straße mit seltsamen Ausfällen oder Fehlverhalten elektronischer Geräte. Eine plausible Erklärung für die Vorfälle gibt es bis dato nicht.
FÜRTH - Kleine Villen und gepflegte Einfamilien-Reihenhäuschen, liebevoll gestaltete Vorgärten und sorgsam in Reihe geparkte Minivans und Mittelklasse-Autos: Nichts deutet in der Cadolzburger Straße darauf hin, dass hier etwas Ungewöhnliches, Unerklärliches vorgeht.
Und doch stimmt etwas nicht in dieser lauschigen Vorstadtidylle, nur wenige Autominuten von «Fürthermare» und Innenstadt entfernt. Fafner E. (Name geändert) ist seit einigen Wochen der Verzweiflung nahe, denn die per Funkschlüssel betätigte Zentralverriegelung seines erst wenige Monate alten Opel-«Meriva»-Vans verweigert seit einigen Wochen den Dienst: «Ich dachte zunächst, das läge an einer leeren Schlüssel-Batterie - was bei einem neuen Auto auch seltsam wäre - aber das ist es nicht», meint der Rentner hörbar entnervt.
Anderswo, im Zweifelsfall nur wenige Querstraßen weiter, funktioniert das Öffnen und Schließen des Autos mit dem Funkschlüssel nämlich völlig problemlos. Beim Lokaltermin in der Cadolzburger Straße reicht es schon aus, den Autostandort etwa 50 Meter zu verlegen, um die Zentralverriegelung zumindest sporadisch zum Funktionieren zu bringen.
«Auch meine Schwiegertochter und mein Sohn haben mit ihren Autos Probleme, wenn sie mich besuchen», berichtet Fafner E. Sein Nachbar aus dem Haus gegenüber, der das gleiche Wagenmodell fährt, hat ebenfalls öfter Schwierigkeiten, den Wagen auf- und zuzusperren. Der BMW des Berichterstatters, dessen Schlüssel offenbar auf einer anderen Frequenz funkt, zeigt sich dagegen völlig unbeeindruckt von dem Phänomen.
Dieses beschränkt sich nicht auf die bekannt heikle weil komplexe Autoelektronik. Das drahtlose Telefon, das Fafner E. daheim benutzt, «weigert» sich seit einiger Zeit beharrlich, die Durchwahlnummern in Fafner E.s alter Firma zu «sehen» und verbindet ihn stets mit der Telefonzentrale. «Am Wochenende lande ich so auf dem Apparat vom Pförtner, das ist wirklich nicht mehr lustig», schimpft E.
Sein Nachbar kämpft derweil mit dem Radio der heimischen Stereoanlage, bei dem sich die gespeicherten Sender mit den Kurzwahltasten nicht mehr aufrufen lassen. «Ich hatte schon meinen Enkelsohn in Verdacht, aber wenn ich höre, welchen Technikärger hier andere Leute haben . . .», meint der Anwohner, der sich die Ursache der Ausfälle so wenig erklären kann, wie Fafner E.
Nicht allzu weit von dem Wohngebiet entfernt hat die Deutsche Bahn im Zuge des S-Bahn-Baus eine größere Zahl Bäume abgeholzt. Einen kausalen Zusammenhang mag Fafner E. allerdings nicht konstruieren, weil Bäume normalerweise nicht als Funkschild funktionieren.
So ist in der Cadolzburger Straße vorerst weiter Raten angesagt: Hat sich ein Nachbar ein neues Gerät gekauft, das starke Wellen aussendet? Stören womöglich die großen Bagger der Bahn Autoschlüssel und Radios?
Wenn die unerklärlichen Phänomene nicht bald von selber verschwinden, wie sie gekommen sind, will Fafner E. sich an die Post wenden und um einen Strahlenmesstrupp bitten. «Vielleicht finden die ja was», sagt er achselzuckend.
HANS VON DRAMINSKI |