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FÜRTH - Alle reden von der Neuen Mitte. Und einige sehen schon die Abrissbirne kreisen, die eine Schneise fürs neue Einkaufzentrum in der Innenstadtstraße schlägt - obwohl noch nichts entschieden ist und obwohl ein Baubeginn noch in relativ weiter Ferne liegt. Für manchen Geschäftsmann ist das ein Problem. wie das Beispiel des Park-Hotels zeigt.
Michael Vormbrocks Lage darf man durchaus als verzwickt bezeichnen, denn er ist in einer pikanten Doppelrolle. Der Betreiber des altehrwürdigen Park-Hotels ist glühender Befürworter der Pläne für die Neue Mitte und er hat sich längst bereiterklärt, sein Hotel dranzugeben, um Platz für den 25000 Quadratmeter großen Einkaufstempel zu schaffen. Aber solange nichts in trockenen Tüchern ist, geht der Betrieb vonstatten, als sei nie etwas gewesen; so lange müssen Vormbrock und Park-Hotel-Direktorin Martina Paschen sehen, dass der Laden läuft.
Ungenierte Besucher
Gerade das aber tut er nicht mehr ganz so gut, seit in Fürth an allen Ecken und Enden von einer Neuordnung der Einkaufslandschaft im ganz großen Stil die Rede ist. Ihr Hotel, sagen Vormbrock und Paschen, scheinen manche dabei schon abgeschrieben zu haben. Bisweilen spazieren Menschen ganz ungeniert in die Empfangshalle und schauen sich interessiert um, sagt Paschen - gerade so, als würden sie im Geiste schon die attraktivsten Accessoires für sich reservieren, bevor das 134 Jahre alte, markante Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wird.
Doch selbst wenn Fürths Stadtrat grünes Licht für die Neue Mitte geben sollte, wird noch ein knappes Jahr ins Land gehen, bevor es so weit ist – einen Bürgerentscheid oder mögliche juristische Komplikationen, die viel weitere Zeit kosten könnten, nicht eingerechnet. Vormbrocks Botschaft lautet deshalb: Gäste sind stets herzlich willkommen, und sie werden ein Park-Hotel vorfinden, das ständig investiert und sich sehen lassen kann.
Beim Rundgang durchs Haus ist Vormbrock und Paschen der Stolz anzumerken. Hohe Decken, Flügeltüren, leicht knarrende Holzböden und ein ausladender Frühstücksraum mit großen Fenstern verströmen den Chic und das Grand-Hotel-Flair längst vergangener Zeiten; doch verstaubt wirken die Räumlichkeiten nicht. Moderner sanitärer Standard und solide Möblierung inklusive Flachbild-TV sorgen dafür. Die Palette der 70 Zimmer reicht von der eher kleinen Kammer bis zur Präsidentensuite, in der schon Kanzler Gerhard Schröder nächtigte.
Scharfe Konkurrenz
Das alles möchte Vormbrock gern in Erinnerung rufen und damit dem Eindruck entgegentreten, man lasse etwas schleifen, weil doch sowieso bald alles vorbei ist. Solche Gerüchte kann sich kein Hotelier leisten, denn die Zeiten sind härter geworden. Nach der Deutschen Einheit, in der ersten Hälfte der 90er Jahre, schnellte die Zahl der Betten in die Höhe – allein in der näheren Umgebung des Park-Hotels sind 1000 dazugekommen, rechnet Vormbrock vor. Die Konkurrenz sei seitdem sehr viel härter geworden, die Preise sanken.
Dass die Geschichte des Park-Hotels, heute in Händen eines geschlossenen Immobilienfonds, mit dem Bau der Neuen Mitte enden könnte, bedauert Vormbrock zwar. Dennoch ist er Feuer und Flamme für das ehrgeizige Einzelhandelsprojekt – und er dürfte mehr als mancher andere wissen, wovon er spricht, denn Vormbrock ist vom Fach: Er managt selbst ein kleineres Einkaufscenter im thüringischen Bad Salzungen.
«Für Fürth«, glaubt Vormbrock fest, «wäre die Neue Mitte ein gigantischer Erfolg.« Die Stadt brauche «ein bisschen Glamour«; es könne doch nicht angehen, dass Nürnberg und Erlangen glänzen - und Fürth nur gefragt sei, «wenn es um alte Bausubstanz geht«. Für den «größten Blödsinn« aber hält der Hotel-Chef die Warnung, der Handel nähme durchs neue Shopping-Center Schaden.
«Tief gestapelt«
Das Gegenteil wäre der Fall, prognostiziert Vormbrock, und überrascht mit der Aussage: Die vom Investor Sonae Sierra bei der FN-Podiumsdiskussion in Aussicht gestellten Kundenzahlen seien «äußerst tief gestapelt«. Von sechs Millionen Menschen jährlich war die Rede, das wären pro Betriebstag rund 20000. Ungläubig bis spöttisch reagierten darauf einige, Vormbrock dagegen hält die Schätzung für «erzkonservativ«. Denn: Schon in Bad Salzungen verzeichne er täglich 7000 Besucher - und das in einer 16000-Einwohner-Stadt.
Wolfgang Händel |