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Kampf um den öffentlichen Raum

Neue Mitte: Der Aspekt der Privatisierung gewinnt an Gewicht
 Kampf um den öffentlichen Raum
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FÜRTH - Dürfen bis dato öffentliche Straßen zu privatem Eigentum gemacht werden? Auf diese Frage scheint sich die Diskussion um die Neue Mitte von Fürth zunehmend zu konzentrieren.

Sowohl die Podiumsdiskussion der Fürther Nachrichten vor einer Woche als auch der daran anknüpfende Meinungsaustausch über das 150-Millionen-Euro-Projekt in den Leserzuschriften lassen diese Tendenz erkennen. Und auch in einem ersten Gespräch zwischen Vertretern der Bürgerinitiative Bessere Mitte und Oberbürgermeister Thomas Jung im Lauf der vergangenen Woche spielte der Aspekt eine wesentliche Rolle, wie Jung auf Anfrage der FN sagte.

Man sei sich in dem «sehr sachlichen« Dialog (Jung) zwar einig gewesen, dass die Areale links und rechts der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Hallstraße grundsätzlich geeignet sind, um neue Einzelhandelsangebote zu entwickeln, und dass man auch Handlungsbedarf sieht. Keine Annäherung habe es jedoch zunächst in punkto Altbausubstanz gegeben.

Während die Initiative die durch das 25000 Quadratmeter umfassende Einkaufszentrum bedrohten, denkmalgeschützten Häuser keinesfalls zur Disposition stellen möchte, hält der Rathauschef dagegen: Die ins Visier gerückten Sandsteinbauten seien «wertig, aber nicht hochwertig«. Es handle sich bei der Häuserzeile in der Breitscheidstraße in seinen Augen nicht um ein «einmaliges Ensemble«, wie man es etwa in der Hornschuchpromenade, der Amalienstraße oder an etlichen anderen Stellen Fürths finde.

Außenwirkung entscheidend

Noch tiefer aber scheinen die Gräben bei eben jener Frage der Privatisierung zu sein. Hier sehen die Kritiker durch die Bank keinerlei Spielraum; unannehmbar ist es für sie, Teile der beiden Straßen ins Center zu integrieren und so den portugiesischen Investoren zu überlassen. Jung hingegen ist «nur wichtig, dass die betroffenen Flächen als öffentlicher Raum erlebbar bleiben«. Will heißen: Für ihn ist nicht die Frage der juristischen Widmung entscheidend, sondern die Außenwirkung.

Ähnlich hatte im Gespräch mit den FN bereits vor Weihnachten der Jury-Vorsitzende im derzeit laufenden, beschränkten Architektenwettbewerb, der renommierte Architekt Stefan Behnisch, argumentiert. Es gebe gute Beispiele für in Center integrierten öffentlichen Raum, bei denen der Unterschied kaum noch wahrnehmbar sei, sagte er. Für ihn gehe es deshalb allein darum, «wie man den Straßenraum attraktiv halten kann, damit er zu einem neuen Platz der Stadt wird«.

«Sehr bedenklich«

Auch in einer öffentlichen Veranstaltung, zu der die Fürther Grünen dieser Tage eingeladen hatten, nahm die Grundsatzdiskussion breiten Raum ein. Eine gewachsene Wegebeziehung zeitweise zu schließen, halte er für «sehr bedenklich«, meinte Holger Herlitschke, Architekt und grüner Fraktionsvorsitzender im Braunschweiger Stadtrat. In den vergangenen Jahren konnte er mit dem Konflikt um ein in der niedersächsischen Stadt realisiertes Einkaufszentrum Erfahrungen sammeln.

Norbert Staudt, der als Chef des Fürther Einzelhandelsverbands zu der Grünen-Runde gestoßen war, will diese Haltung nicht einleuchten. Er freue sich zwar aufrichtig, dass sich eine Bürgerinitiative gegründet hat und seiner Ansicht nach wichtige Bedenken formuliert; er aber sei bereit, über die Preisgabe öffentlichen Raums nachzudenken, wenn damit verloren gegangene Kaufkraft nach Fürth zurückgeholt werden könne. Zudem sei die vom Investor Sonae Sierra angepeilte Schließung der Wegeverbindung zwischen 1 und 5 Uhr nachts hinnehmbar. In diesen Stunden geben es dort ohnehin so gut wie keinen Verkehr mehr.

«Beste Lösung«

Er, so Staudt, warne vor jeder Form der «Fundamentalopposition« gegen das für ihn und viele seiner Kollegen so wichtige Projekt, denn damit mache man sich «nur lächerlich«. Dem können mit Ausnahme der von Beginn an gegen die Neue Mitte opponierenden Stadträtin Waltraud Galaske auch die maßgeblichen Grünen zustimmen - wenngleich mit unterschiedlichen Akzenten.

So betonte Fraktionssprecherin Brigitte Dittrich, konstruktiv mitarbeiten zu wollen, «um die beste Lösung zu finden«. Die Stadträtin und Einzelhändlerin Dagmar Orwen («Vom Fass«) fordert zwar, dass die Straßen öffentlich bleiben, plädiert aber mit dieser Einschränkung ebenso wie ihr Stadtratskollege Harald Riedel für die Neue Mitte, denn: «Wenn nichts kommt, geht alles den Bach runter«, so Orwen. Eine Aussage, der auch Einzelhandelschef Staudt beipflichtete.

Die Fehlentwicklung sieht Harald Riedel vielmehr in den so genannten Nahversorgungszentren mit Discountern, die sich in den vergangenen Jahren in den Randlagen der Stadt rasant ausgebreitet haben. «Deswegen haben in der Innenstadt die Läden dichtgemacht«, glaubt Riedel. Er hätte sich ähnlich intensiven Widerstand denn auch gegen das Neubauvorhaben von Möbel Höffner im Knoblauchsland gewünscht. Von den dort geplanten 13000 Quadratmetern innenstadtrelevante Verkaufsfläche - über die Hälfte der in der Neuen Mitte vorgesehenen 25000 - gehe die weit größere Gefahr für die City aus, findet Riedel.

Wolfgang Händel
26.1.2009
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