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Ein Plädoyer fürs offene Einkaufszentrum |
| Prominenter Shopping-Mall-Kritiker kam nach Fürth: Neue Mitte «zu stark abgeschottet« |
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FÜRTH - Die Gegner der Neuen Mitte machen zunehmend Druck: Mit dem Architektur-Historiker Holger Pump-Uhlmann hatten sie gestern einen der bundesweit schärfsten Kritiker innerstädtischer Einkaufszentren in Fürth zu Gast.
Dass Pump-Uhlmann die bisherigen Überlegungen für die Neue Mitte überaus skeptisch beurteilt, überrascht nicht. Immerhin ist er Mitherausgeber des 2006 erschienenen Buchs «Angriff auf die City«, ein Standardwerk zum Thema und inzwischen eine Art «Bibel« der Shopping-Center-Gegner (die FN haben darüber berichtet).
Darin hatte der heute 48-Jährige, freischaffender Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der technischen Universität für Bau-Historie und Urbanität im holländischen Delft, kaum positive Aspekte bei den meisten einschlägigen Planungen in Deutschlands Städten entdecken können. Erst kürzlich haben er und drei weitere Autoren versucht, diese Erkenntnisse in einer weiteren Publikation mit Datenmaterial zu untermauern («Wirkungsanalyse großer innerstädtischer Einkaufscenter«, erschienen beim Deutschen Institut für Urbanistik).
Sie untersuchten über Jahre hinweg zwölf Städte mit Einkaufscentern - und kamen zur Erkenntnis: Die Kaufkraft habe sich nur in fünf Fällen positiv entwickelt, in der Mehrzahl seien die Mieten anderer Innenstadtlagen gesunken. Pump-Uhlmann sieht sich dadurch in seiner Ansicht bestätigt: Shopping Center seien zwar nicht grundsätzlich zu verteufeln, aber sie dürfen sich nicht zu stark ausdehnen. Sonst drohen die Konsumtempel «autark« zu werden. können also ohne den Rest der City existieren – zu deren dauerhaftem Schaden, wie der Fachmann meint.
Strikte Obergrenze
Dieses Schicksal könnte nach Pump-Uhlmanns Ansicht auch Fürth drohen, wo 25000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant sind. Höchstens 15000 aber halten Pump-Uhlmann und seine Mitstreiter für verträglich. Die Erfahrung zeige: Wo man sich an diese Obergrenze hält, «gibt es die geringsten Verwerfungen«.
Weitere gravierende Fehler seien die zu starke Abschottung des Centers und die «Privatisierung öffentlichen Raums« durch die Einbeziehung von Teilen der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Hallstraße. Pump-Uhlmanns Gegenentwurf: offene, passagenartige Strukturen und mehr Durchlässigkeit zu den vorhandenen City-Lagen, wie er sie vorbildlich in Münchens «Fünf Höfen« und in den Hackeschen Höfen in Berlin umgesetzt sieht. Das bisherige Konzept von Sonae Sierra ließe sich mit etwas gutem Willen in diese Richtung weiterentwickeln, findet Pump-Uhlmann - allerdings nicht im Rahmen des derzeit laufenden, beschränkten Architektenwettbewerbs; darin mache der Investor zu rigide Vorgaben und lasse deshalb nicht den nötigen Spielraum für eine alternative Planung.
Besser wäre es in seinen Augen ohnedies gewesen, die Kommune hätte das Heft des Handelns von Beginn an in ihre Hände genommen und von sich aus einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt. Dass stattdessen ein Unternehmen auf die Stadt zukam, ist für ihn indes nichts Neues, beobachtet er diesen Mechanismus doch immer wieder. «Die Planung«, bedauert Pump-Uhlmann, «wird so auf den Kopf gestellt.«
Wolfgang Händel |
| 16.1.2009 |
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