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Gedankenmagie und Grenzerfahrungen

Psychotherapeuten tagten in Fürth - IVS sucht neue Räume, um Ambulanz zu erweitern
 Gedankenmagie und Grenzerfahrungen
700 Psychotherapeuten in einer Stadthalle: Kann das gut gehen? Es kann. Bei der fünften Fachtagung des «Instituts für Verhaltenstherapie, Verhaltensmedizin und Sexuologie» (IVS) beschäftigten sie sich mit dem Einfluss von Meditation und alter Weisheit auf heutige Therapie (siehe Regionalteil, Seite 15). Anlass, das IVS vorzustellen.

FÜRTH - Noch so ein geglückter Brückenschlag zwischen Nürnberg und Fürth. Sitz und Büro hat das IVS in der Nachbarstadt, die Ambulanz residiert in Fürth direkt am Stadtpark. Gerade sucht man neue Räume in Fürth, denn das IVS wächst und wächst: Im Oktober kommen 70 neue Auszubildende dazu und erhöhen die Zahl der Schüler auf insgesamt 300.

Wobei das Wort Schüler nicht ganz trifft: Wer sich anmeldet, hat einen Beruf und meist sogar ein Studium. Wie Psychologen, die nach dem Diplom noch eine Therapieausbildung machen müssen, Ärzte, Lehrer oder Sozialpädagogen. Sie können sich - nebenberuflich - beim IVS zum psychologischen Psychotherapeuten oder auch zum Kindertherapeuten weiterbilden. Professionelles Wissen stellt ein Pool von 150 Dozenten bereit, Praktika werden - oft in den Krankenhäusern der Region - absolviert. Was lernen die angehenden Psychotherapeuten? Diagnose, Krisenintervention und kognitive Techniken stehen auf dem Lehrplan, darauf bauen Hypnose, Körpertherapien und beispielsweise systemische Familientherapie auf. Es geht um Depressionen, sexuelle Störungen, Unterstützung bei Tinnitus und chronischen Schmerzen.

Die Palette ist breit gefächert. Und Vielfalt auch bei den Fachtagungen Programm, die das IVS jährlich veranstaltet. Das können psychotherapeutische Angebote für Krebspatienten sein oder das Thema schwierige Kindern und überforderte Eltern. Und jetzt eben die meditativen Konzepte. «Wir wollen dabei nicht Ideologien vermitteln, sondern dass jemand ein guter Psychotherapeut wird», sagt Andreas Rose, der als Sexualtherapeut und prominenter Fürther zum Leitungsgremium des IVS gehört.

Erzwungener Wechsel

Das diesjährige Motto «Achtsamkeit, Akzeptanz und Mitgefühl» zog so viele Teilnehmer - darunter auch Menschen aus der Hospizbewegung, kirchlichen Einrichtungen und sogar Justizvollzugsanstalten - an, dass der alte Veranstaltungsort, das Nordklinikum in Nürnberg, zu klein wurde. Entweder Meistersingerhalle Nürnberg oder Stadthalle Fürth, hieß es. Für Rose eine klare Entscheidung.

So kam’s, dass Psychologiestudenten aus Chicago neben der Dänin Lene Handberg sitzen, die das Lebenswerk eines tibetanischen Buddhisten weiterführt. Dass die Zuhörer sich von Vorträgen hochkarätiger Referenten anregen ließen, IVS-Schüler sich mit Psychotherapeuten aus den Niederlanden, der Türkei, aus Brasilien und Mexiko austauschen konnten.

Zauberei? Keineswegs. Aber Gedankenmagie war schon dabei. Professor Toni Forster demonstrierte auf offener Bühne, dass er Körpersprache und Mimik von Menschen perfekt lesen kann. Kombiniert mit statistischen Wahrscheinlichkeiten nennt er Farben, die andere nur denken, errät Geburtstagsdaten und die Namen der besten Freunde seiner willkürlich ausgewählten Versuchspersonen. Verblüffend, unerklärlich fast.

Zum unterhaltsamen Schluss des Samstags legten dann die Chaotic Strings vor. «You can’t do nothin’, you have to accept», trällerte die Combo. Der Fürther, spielen sie ironisch aufs Tagungsmotto an, sei ein Kenner und Könner der Akzeptanz. Sie sei quasi ein Charakterzug. «Da kann mer nix machen, des muss mer akzeptiern.»

Gabi Pfeiffer
27.6.2007
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