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Auf der Suche nach dem weggeworfenen Glück |
| Autoren, bildende Künstler und Musiker präsentierten im Bistro Galerie Werke zum Thema «Verloren in Fürth» |
| Auf der Suche nach dem weggeworfenen Glück |
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Verlorenes. In Fürth. Auf der Straße, im Dreck, auf dem Parkplatz in der Stadt. Die Designerin und Künstlerin Ulli Irrgang hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Jahr lang all diese verlorenen Gegenstände zu sammeln - und wurde dabei von rund 30 Künstlern aus der Region unterstützt.
Sie wurden achtlos hingeworfen, vergessen oder sind aus der Tasche gerutscht. Immer wieder Alltägliches: ein Handschuh, ein Regenschirm, eine Brosche. Und dazwischen Komisches, Verblüffendes. Fotografien beispielsweise, ein Mercedesstern oder ein Fahrradsattel.
So etwas wirft man doch nicht einfach weg, denkt man sich, und doch liegt - oder korrekterweise lag - es herum. Irrgang sammelt nicht, um den städtischen Arbeitern die Aufräumarbeiten fürs Jubiläum zu erleichtern. Nein, Irrgang war zugange, um Verlorenem eine neue Identität zu verschaffen. Das Ergebnis dieser Mammutaufgabe, der sie sich zum Glück nicht alleine stellen musste, ist so bunt wie der Reigen Menschen, der sich ihr gewidmet hat. Im Bistro Galerie war ein Großteil der Künstler versammelt und zeigte, welches Leben doch noch in der verlorenen Drahtmatratze und im vergessenem Spazierstock braust.
Stille Antworten
«Was hast Du in Fürth verloren?» war dann auch die einleitende Frage des Abends, die weniger abschrecken als auf das eigentliche Thema vorbereiten sollte. Denn mit Antworten in verschiedensten Ausführungen wurde man am (Er-)Finderabend Nummer eins in Form von zahlreichen Collagen der «stillen Künstler» sogleich konfrontiert.
Doch still blieb es nicht lange. Viele Identitätsstifter haben Texte ge- und erfunden, die sie auch bereitwillig mit dem begeisterten Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Bistro teilten. Die Riege der etablierten Wortkünstler, beispielsweise Elmar Tannert, Friedhelm Sikora oder Ewald Arenz, wusste sich einzustellen auf das ungewöhnliche Szenario und präsentierte fein Pointiertes.
Es wurde die Geschichte erzählt von drei überflüssigen Fotos aus einem Automaten, die keiner mehr brauchte, da der abgebildete Georg aus Georgien mit dem vierten fehlenden Bild ganz sicher das Herz seiner Annoncen-Flamme erobern würde. Es wurde berichtet, wie man eine ganze Stadt verlieren kann, sie aber glücklicherweise wieder findet, wenn auch mit einigen unbedeutenden Veränderungen.
Wer die insgesamt zwölf Ausführungen Sikoras zu seinem gefundenen Spazierstock allesamt hören möchte, der muss am 29. April zur Finnisage ins Bistro kommen, bislang gab es «nur» eine appetitanregende Kostprobe von drei Texten, die jedoch prompt Lust auf mehr machte! Von den jüngeren Künstlern, die sich in Wortgewandtheit und Präzision nicht hinter den alten Hasen zu verstecken brauchen, hatten sich sowohl Nicole Paskow als auch Doro Nickl-Dobler einen Handschuh als Objekt der Zuwendung erwählt. Auf der einen Seite ein fantastisch poetisch, verdichtender Text, der ein wollenes Gefängnis erschafft und aufbricht, auf der anderen Seite ein Kleinkinderhandschuh einer wütenden Sechsjährigen, die über Entscheidungen sinniert und die Möglichkeit, dass sich jemand aus ihrem verlorenen Handschuh eine Ausstellung erdenkt.
Bleibt zu erwähnen, dass auch Musik und Opernklänge identitätsstiftend sein können, was der Bariton Stefan Reuther mit seinen gelungenen Interpretationen zu einem schwarzen Knopf (an Jagos weißer Weste aus Verdis Othello) und einem kleinen Holzpapagei (als Papagenos Flötenersatz) beweisen durfte.
Abschließend wäre noch zu sagen, dass es leider keine glückselige Zusammenkunft von einem verlorenen Gegenstand mit seinem Verlierer gab. Aber wer hat schon ein solch reelles Glück nötig, wenn das erfundene so amüsant, kurzweilig, überraschend und anrührend ist.
CHRISTINE STUBENVOLL
«Verloren in Fürth», bis 29. April, Öffnungszeiten: montags bis sonntags ab 19 Uhr sowie mittwochs 12 bis 15 Uhr; am 29. April, 17 Uhr: (Er-)Finderabend Nr. 2 mit Performance, Lesung und Versteigerung |
| 5.3.2007 |
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FÜRTHER NACHRICHTEN |
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