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Unauffällig und effektiv: Engagement ist Ehrensache

Umfrage der Fürther Nachrichten: Warum sich viele Menschen gern für andere einsetzen - »Das ist Verpflichtung»
 Unauffällig und effektiv: Engagement ist Ehrensache
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Viele tun es. Unauffällig, effektiv und unentbehrlich - sie wirken in einem Ehrenamt. Gäbe es die freiwilligen Helfer nicht, die sich für andere einsetzen, würde manches, was wir als selbstverständlich betrachten, abrupt enden. In der Fußgängerzone trafen die FN gestern auf Passanten, für die Engagement Ehrensache ist.

Antje Söltner ist Rettungsschwimmerin. Eine Tatsache, die der 41-Jährigen spontan in den Sinn kam, als die Schule ihrer Tochter Eltern suchte, die eine Grundschulklasse beim Schwimmunterricht begleiten. »Fast zwei Jahre», sagt Antje Söltner, »bin ich dann regelmäßig mit ins Schwimmbad gegangen.»

Schließlich könne eine Lehrerin ja unmöglich 20 Jungen und Mädchen mit sehr unterschiedlichen Schwimmkünsten gleichzeitig unterrichten. »Also war ich abwechselnd mit einer Gruppe im flachen Becken.» Dort machte sie mit den Kindern Übungen, einige Anfänger machten anschließend sogar stolz das Seepferdchen-Abzeichen.

Für die hilfsbereite Mutter ist ihr Einsatz selbstverständlich. Peter Frank sieht das ähnlich. Der 67-Jährige, den viele Fürther als Standesbeamten kennen gelernt haben, ist zum Beispiel seit 25 Jahren im Geschichtsverein dabei, seit 14 Jahren notiert er dort als Schriftführer, was wichtig ist. 1972 trat er in die SPD ein: »Als Willi Brandt den Friedensnobelpreis bekam, dachte ich, da geh’ ich auch dazu.»

Außerdem setzt er sich beim Förderverein Jüdisches Museum Franken ein und für die Städtepartnerschaft mit dem schottischen Paisley. Im Freundeskreis Renfrewshire übt sich Frank auch in englischer Konversation. Die Verständigung, schmunzelt der vielseitige Rentner, soll ja perfekt klappen.

Sein großes Hobby sei allerdings die Stadtgeschichte: »Zum Eisenbahnjubiläum gibt es wieder viel zu tun.» Seine Familie habe Verständnis für sein zeitaufwändiges Engagement: »Und vielleicht ist meine Frau sogar ab und zu froh, wenn ich mal aus dem Haus bin», lacht Frank.

Menschen motivieren, etwas bewegen – das sind Ziele, die Bernhard Weibel wichtig sind: »Ich moderiere unter anderem schwule Veranstaltungen und Benefizsachen», sagt der 40-Jährige. »Mir geht es dabei auch darum, die Leute locker zu machen - unabhängig von Klischees, damit sie mit mehr Selbstbewusstsein falsche Schranken hinter sich lassen können, um ihr Leben freier zu gestalten.»

Dagmar Orwen sitzt für die Grünen im Fürther Stadtrat. Auch das ist ein ehrenamtlicher Einsatz, in den die 60-Jährige viel Zeit investiert. Bis zu 15 Stunden in der Woche (»Wenn Sitzungen anstehen») kommen da zusammen: »Ich mache das aus Liebe zu meiner Stadt und natürlich auch, um grüne Ziele in Fürth durchzusetzen.»

Nicht immer, erklärt die Einzelhändlerin, sei diese Arbeit befriedigend. »Wenn man mal wieder abgebügelt wird oder Kompromisse schließen muss, ist das natürlich nicht so toll. Andererseits ist es ein sehr gutes Gefühl, wenn etwas realisiert wird, für das man gearbeitet hat.»

»Wenn jeder tut, was er kann, wird eine Menge geleistet.» Christian Nowak, Geschäftsführer des IHK-Gremiums in Fürth, bringt auf einen Nenner, warum das Ehrenamt für ihn eine regelrechte Notwendigkeit ist. Rund vier Abende setzt er sich wöchentlich für Aufgaben ein, die ihm am Herzen liegen. Der 64-Jährige war unter anderem 14 Jahre lang Elternbeiratsvorsitzender eines Erlanger Gymnasiums, wirkt im Rotary Club mit oder beim Ludwig-Erhard-Initiativkreis.

»Etwas zurückgeben»

»Ich finde es schlimm, wenn ich zum Beispiel lese, dass viele Sportvereine keine Vorsitzenden mehr finden», sagt er. Er selbst wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben: »Ich bin in der leicht privilegierten Situation, dass ich anderen helfen kann. Das ist für mich eine Verpflichtung, der ich nachkommen will.»

Zwei Jahre lang hatten Marion Mühleiß (19), Schülerin an der Fachoberschule in Fürth, und Laura Hermann (18), Auszubildende zur Industriekauffrau, in ihrem Heimatort eine verantwortungsvolle Aufgabe inne: »Wir haben im Jugendparlament in Ammerndorf die Interessen der Jugendlichen vertreten.»

Die beiden jungen Frauen können Erfolge vorweisen: »Zum Beispiel haben wir eine Party mit Band organisiert und einen Jugendraum im Rathaus mit eingerichtet.» Der Traum, einen Beachvolleyballplatz in der Landkreisgemeinde durchzuboxen, scheiterte zwar, aber ihr Einsatz bleibt auch so nicht ohne Folgen: »Es hat Spaß gemacht», sagen Marion und Laura. Und sie können sich gut vorstellen, irgendwann wieder ein Ehrenamt zu schultern.

Sabine Rempe (Text) und Hans–joachim Winckler (Fotos)
13.3.2010
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