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Grollende Winterwunderwelt |
| Heiße Ohren zum Fest: Die Lieblings-Weihnachtsplatten von Fürther Musikern |
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Zum Gabenteller gehört an Heiligabend auch der Plattenteller. Keine Weihnachtsfeier ohne musikalisches Geleit - in vielen Familien ist das eherne Tradition. Schwören die einen auf die alte Vinylscheibe, auf der sich Sinatra durchs Fest swingt und Peter Alexander die grünen Blätter des Tannenbaums preist, so müssen es bei den anderen klassische, poppige, volkstümliche Klänge sein. Aber was hören eigentlich diejenigen, die von Berufs wegen Musik machen, an diesem 24. Dezember? Die FN fragten bei prominenten Fürthern nach - vom Rocker bis zum Komponisten.
Haben auch harte Kerle eine weiche Seite? Er gilt als das Bluesrock-und Soul-Urgestein der Großraumszene: Rudi Madsius (Cry Freedom) schwört an Heiligabend unter anderem auf einen Sampler mit dem Titel «Christmas Soul» mit Sängern wie Otis Redding, Stevie Wonder und James Brown. «Nach ein paar guten Gläsern Wein», so der 58-Jährige (aktuelle CD: «You know my name»), «kommen dann allerdings meistens die alten Platten mit tief grollenden Sängern aus dem Bayerischen Wald auf den Teller, welche sich im Wechsel mit Tom-Waits-Alben wie zum Beispiel ,Alice‘ oder ,Orpheans‘ durchaus gut vertragen.»
Irene von Fritsch gehört zu den Musikerinnen, die wenig Platten hören. Auch zur Bescherung macht die Cellistin - sie ist Mitglied unter anderem im Fürther Elisen Quartett, das 2005 den Kulturförderpreis der Stadt erhielt, und wohnt mit ihrer Familie in der Hornschuchpromenade - keine Ausnahme. Live ist halt doch live. «Ich liebe Konzerte und echte Vorträge», sagt sie. «Im Moment höre ich mir aber fast täglich bei Youtube eine Aufnahme von 1983 an: Mischa Maisky und Martha Argerich zaubern die Sonate für Cello und Klavier von Claude Debussy. Das ist im Moment meine Weihnachtsmusik.»
Unter ihrem Künstlernamen interference.here.de hat sich Lena Dobler zu einem der hoffnungsvollsten Talente der bundesdeutschen Singer-Songwriter-Szene gemausert. Im Sommer 2009 trat die Studentin auf dem Altstadt-Festival der Szene Fürth auf. Bei Doblers daheim «hört man zum besinnlichen Schneegestöber am Weihnachtsabend die betörend schöne Indie-Platte ,The Flying Club Cup‘ der amerikanischen Band Beirut, deren vielfältiger Mix aus Folklore, Indierock und feinen Balkananleihen eine ähnlich berauschende Wirkung hat wie ein guter Glühwein».
Im April präsentiert Jutta Czurda ihr neues Programm im Stadttheater, im Mittelpunkt werden Songs von George Gershwin stehen. Auch zum Fest der Liebe hält sie die Ohren über den Großen Teich. Die Sängerin, Schauspielerin und Choreografin schwört bereits beim Vorbereiten, Schmücken und Geschenkeverpacken auf gute alte American Spirituals. «Die steinalten Herren des Golden-Gate-Quartetts mit ihren goldenen Stimmbändern» haben es ihr angetan, erst recht wenn sie den Gospelklassiker «Mary had a Baby» und das vielstimmig-samtig zelebrierte «Silent Night» zum Besten geben. «Mahalia Jackson singt sich mit ,An Evening Prayer‘ mitten in mein Herz, und dazwischen reise ich in Gedanken zum Eislaufplatz in den Central Park, krieg’ ein bisschen Fernweh mit Judy Garland und ,Have yourself a Merry little Christmas‘, worauf mein amerikanischer Mann dann dringend Glenn Goulds Einspielung der Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach braucht. Wunderbar verkehrte Welt!»
«Als Kirchenmusiker und Sänger», erzählt Markus Simon, Grundschullehrer, Bassbariton und ehrenamtlicher Kantor in Langenzenn, «bin ich an den Weihnachtsfeiertagen selbst musikalisch rund um die Uhr aktiv und finde daher kaum Zeit, in Ruhe eine CD anzuhören. Wenn es aber eine bestimmte Musik sein soll, die für mich zum Weihnachtsfest unbedingt dazugehört, so ist es das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Das kann dann eine Aufnahme von Rilling, Herreweghe oder Harnoncourt sein» - gern aber auch der Mitschnitt der eigenen Interpretation, aufgenommen 1996 in der Langenzenner Stadtkirche.
Auch er hat’s lieber klassisch: Komponist Uwe Strübing - im Brotberuf Apotheker im Klinikum - bescherte die Fürther im Stadtjubiläumsjahr 2007 mit seiner auf Jakob Wassermanns Roman «Das Gänsemännchen» fußenden Oper «Aus der Welt» im Kulturforum. Vor wenigen Wochen wurde ein neues Werk bei den Kirchenmusiktagen in der Auferstehungskirche uraufgeführt. Live-Klänge sind Strübing (53) zwar lieber, «aber auch für konservierte Musik» hat er eine besondere Empfehlung: «,Une Cantate de Noël‘ von Arthur Honegger. Dies ist sein letztes Werk (1953), und diesem bin ich besonders verbunden, da ich es vor vielen Jahren selbst im Chor der Bamberger Symphoniker mitgesungen habe und vor allem wegen der unerhörten Kunstfertigkeit, mit der Honegger die vier Weihnachtslieder ,Stille Nacht‘, ,Vom Himmel hoch o Englein, kommt‘, ,O du fröhliche‘ und ,Il est né le Divin Enfant‘ gleichzeitig im Chor über rauschender Orchesterbegleitung ablaufen lässt. Ein Erlebnis, das mir immer wieder die Festtagsstimmung steigert!»
Auf deutlich mehr Swing steht unterdessen Thilo Wolf. Der 42-jährige Fürther Kulturpreisträger, Jazzpianist, Bandleader, Arrangeur und Komponist - erst vor wenigen Tagen war er mit seinem Orchester in der «Sternstunden-Gala» des Bayerischen Fernsehens zu erleben - kommt so richtig in Weihnachtsstimmung bei der Platte «An Oscar Peterson Christmas». Auf dieser Scheibe spielt der vor zwei Jahren verstorbene legendäre Jazzpianist «in ungewöhnlich sparsamer wie geschmackvoller Weise das ,Christmas-Songbook‘. Bei einigen Titeln sind eine Streichergruppe sowie Vibrafon und Flügelhorn dabei. Ein sehr relaxt-swingendes Weihnachtsalbum, auf das ich mich immer schon ab Spätsommer freue».
Für die «schärfste Weihnachts-CD am Markt» hält Wolf übrigens Götz Alsmanns swingende «Winterwunderwelt» - «sehr lustige Texte und unglaublich gut produziert und arrangiert». Wenn das mal kein frohes Fest wird! MATTHIAS BOLL |
| 24.12.2009 |
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