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Linke fühlen sich verfolgt

Klage über rechte Attacken - Polizei kontert Vorwürfe
 Linke fühlen sich verfolgt
Foto: Ralf Rödel
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FÜRTH - Im Vorfeld der am 19. Dezember geplanten Neonazi-Demonstration in der Südstadt erheben Linke Vorwürfe gegen die Fürther Polizei. Diese gehe zu nachlässig mit rechter Gewalt um, heißt es. Polizeichef Roman Fertinger schüttelt nur den Kopf, Oberbürgermeister Thomas Jung weist die Attacken zurück.

In einer Pressemitteilung, verantwortet von der «Antifaschistischen Linken Fürth» (ALF), wird eine Sprecherin mit der Aussage zitiert: «Dass die Neonazis zur offenen Gewalt übergehen, liegt vor allem daran, dass sie in Fürth seit Jahren von der Polizei mit Samthandschuhen angefasst werden.» In den letzten zwei Monaten seien Rechtsextreme in zehn Fällen handgreiflich gegen Linke geworden.

Doch die Polizei, so die ALF weiter, reagiere darauf nicht angemessen. In einem Fall sei es in der Gustavstraße zu regelrechten Jagdszenen gekommen. Von einer konsequenten Strafverfolgung, wie sie Fürths Polizei zugesagt habe, könne «überhaupt keine Rede sein». Stattdessen stelle Polizeichef Roman Fertinger «die Angriffe der Neonazis als einen Bandenkrieg zwischen Rechten und Linken dar», so die ALF mit Bezug auf eine Massenschlägerei am vergangenen Wochenende in der Innenstadt (wir haben berichtet).

Der so gescholtene Roman Fertinger mag sich über die harsche Kritik nicht einmal mehr empören, wie er gestern auf Anfrage der Fürther Nachrichten sagte. «Inhaltlich sind die Vorwürfe falsch, und zwar in Gänze», so der Polizeidirektor. Er ziehe auch stark in Zweifel, dass es die zitierte Sprecherin - angegeben ist der Name Miriam Rüttler - überhaupt gibt; vermutlich verstecke man sich hinter einem erfundenen Namen.

Der Versuch unserer Redaktion, per Mail-Anfrage vom frühen Freitagnachmittag zur Klärung beizutragen, scheiterte. Die Bitte an die ALF, sich zu melden, blieb bis zum Abend unbeantwortet. Eine Rufnummer zur Kontaktaufnahme hatte die Organisation in ihrer E-Mail nicht angegeben, und auf ihrer Homepage ist lediglich eine Postfachadresse in Nürnberg genannt.

Keine Angaben

Auch die Faktenlage ist laut Polizei dünn: Nach Auskunft des zuständigen Staatsschutz-Kommissariats ist dort über eine gehäufte Zahl von Übergriffen nichts aktenkundig. Anzeige – gegen Unbekannt - sei in nur einem Fall erstattet worden: Ein Gewerkschafter soll von Rechtsradikalen getreten worden sein. Zur besagten Auseinandersetzung in der Gustavstraße wiederum sei zwar eine Streife gerufen worden, doch vor Ort, so Kommissariatsleiter Helmut Kienel, hätten weder Rechte noch Linke weitere Angaben machen wollen.

Bei der Massenschlägerei vor kurzem schließlich seien laut «neutralen Zeugenaussagen» Linksextreme die treibende Kraft gewesen, wie Fertinger sagt. Im Schreiben der ALF hingegen heißt es, die Gewalt sei «eindeutig» von Neonazis ausgegangen. Ohne auf solche Details einzugehen, ist auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung der Meinung, dass die Linke den Bogen überspannt. Die Polizeiarbeit sei «in allen Bereichen erfolgreich und konsequent», hält er der Kritik entgegen.

Er habe «keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass rechte Straftaten übersehen werden». Ziel der Polizei sei es, Übergriffe nicht zuzulassen – «ob von rechts oder von links», wie der Rathauschef betont. «In einer Demokratie ist das auch die einzig richtige Linie», so Jung, der gemeinsam mit ALF-Vertretern als Redner bei einer Gegendemonstration gegen den Aufmarsch Rechtsradikaler am 19. Dezember auftreten wird (eine ausführliche Ankündigung folgt).

Der OB glaubt, dass die Rolle der Rechtsextremen in Fürth von linker Seite überbetont wird. Der Misserfolg der NPD, die noch nicht einmal die nötigen Unterstützerunterschriften für die Zulassung zur Kommunalwahl zusammengebracht hatte, unterstreiche den mangelnden Rückhalt radikal Rechter in Fürth. «Und wir sollten uns doch alle freuen, dass sie hier so bedeutungslos sind», findet Jung.

Anders sieht das offenkundig Manfred Lehner, Sprecher des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus. In einem Aufruf zum Protest gegen die Neonazi-Demo wird er – ebenfalls mit Verweis auf gehäufte Angriffe – mit den Worten zitiert: «Es hilft überhaupt nicht wegzuschauen, das Problem kleinzureden oder zu verharmlosen.»

Wolfgang Händel
12.12.2009
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