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City-Center: Freude mit Haken

Noch sind bei den betroffenen Geschäftsleuten viele Fragen offen
 City-Center: Freude mit Haken
Foto: Roland Huber
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Der fast vollzogene Verkauf des City-Centers lässt die meisten Händler im angegrauten Einkaufszentrum frohlocken, doch in die Jubelstimmung mischt sich Unsicherheit. Noch weiß niemand, wie der Umbau vonstatten gehen wird, geschweige denn, wie lange er dauern wird. Und manch einer fürchtet, dass in einem aufgemöbelten Einkaufstempel kein Platz mehr für ihn sein wird.

FÜRTH - Mittagszeit im City-Center. Die Kunden drängen sich nicht gerade in den Passagen, aber es herrscht Betrieb. So auch im Juwelier-Geschäft Weigmann, das hier seit der Eröffnung des Einkaufszentrums vor fast 25 Jahren seinen Sitz hat. «Ich kann mich nicht beschweren, wir darben nicht gerade», sagt Eigentümer Wilhelm Weigmann, räumt aber ein, dass Angebot und Attraktivität des City-Centers «allgemein» stark nachgelassen haben. Das höre er auch von seinen Kunden.

Der Verkauf an die portugiesischen Investoren von Sonae Sierra hat daher eine Art Aufbruchstimmung ausgelöst. «Nicht nur ich habe jeden Tag auf den erlösenden Artikel in den FN gewartet», gesteht Weigmann, der heilfroh ist, dass statt in eine Neue Mitte ins City-Center investiert wird.

Und wie geht es nun weiter? «Da bin ich sehr gespannt», sagt der Juwelier. Um den Kunden bei der Neueröffnung ein «richtiges Aha-Erlebnis» zu bieten, wäre ihm ein Totalumbau am liebsten, bei dem das Center für einige Zeit schließt. Weigmanns Vorteil: Im Gegensatz zu den meisten Händlern besitzt er ein zweites Geschäft in der Fußgängerzone, auf das er sich in der Umbauphase stützen könnte.

Geradezu euphorisch klingt Maria Tricarico, die seit 1990 im City-Center das kleine Modegeschäft Mary Lou betreibt. «Es wurde Zeit, dass in dieser Stadt endlich was passiert», sagt sie. Den Portugiesen sei sie daher regelrecht dankbar. Ihren Laden würde sie gerne im neuen Center weiterführen – sofern der Investor faire Mieten verlangt – und für die Zeit der Sanierung denkt sie daran, in ein Ausweichquartier zu ziehen.

Allerdings seien noch viele Fragen offen. Wann beginnt der Umbau, wie lange wird er dauern? Wann wird ihr Laden wo sein? «Dinge, die ich wissen muss», sagt Tricarico, schließlich müsse sie ihre Waren ein halbes Jahr im Voraus bestellen.

Chance für die Stadt

Yvonne Wolfgruber vom Schreibwarenladen Lennert erhofft sich, dass eine neue Strahlkraft vom City-Center ausgeht. Der Verkauf sei eine Chance für die Innenstadt. Angst vor dem Umbau habe sie nicht. Sonae Sierra werde gewiss Pläne haben und diese vorstellen, sobald der Eigentümerwechsel «hieb- und stichfest» ist.

Zudem geht Wolfgruber davon aus, dass ihr Laden auch im neuen Center seinen Platz finden wird. Höhere Mieten fürchtet sie genauso wenig wie Apotheker Steffen Hardt: Wenn dafür neue Kunden höhere Einnahmen bringen, könne man damit leben, so die einhellige Meinung. «Wie bisher konnte es jedenfalls nicht weitergehen», sagt der Apotheker, der in den vergangenen Jahren «den Abstieg» des Einkaufszentrums erlebt hat. Die Umbauphase werde aber wohl alles andere als lustig. «Ich bin gespannt, wie der Investor das plant.»

Mit einer Portion Skepsis geht Azad Caan, dem ein Café mit Imbiss und Wettbüro im Untergeschoss des City-Centers gehört, in die nächsten Monate. Wie viele ist er der Meinung, dass Investitionen dringend nötig sind. «Aber was ist, wenn die Portugiesen entscheiden, sie wollen meinen Laden hier nicht mehr?», fragt er und fügt hinzu, dass etliche Geschäftsleute im Center nur kurzfristige Mietverträge in der Tasche hätten. «Ich habe viel investiert, wer zahlt mir den Schaden?», fragt Caan.

Ähnlich klingt es im «Grande Casino» an der Alexanderstraße. Zwar ist der Chef gerade nicht da, aber die Angestellte hat auch eine Meinung. «Ich find’s nicht gut. Vielleicht wollen die Neuen keine Spielhalle», sagt sie und ihr Kollege ergänzt, dass der Chef unlängst einen sechsstelligen Betrag in den Laden gesteckt habe. Weitaus zuversichtlicher klingt Andreas Mengin, Chef des gleichnamigen Erlanger Unternehmens, das seit Anbeginn eine Filiale im City-Center betreibt. «Fürth hat als Einkaufsstadt Potenzial, das hat Sonae Sierra erkannt», sagt Mengin. Sollte ihm das Konzept des Investors gefallen und sein Laden für den Investor interessant sein, würde er dem Center wie in den vergangenen 25 Jahren die Treue halten. Für ihn steht fest: «Durch den Verkauf tut sich eine neue Perspektive für die ganze Stadt auf.»

Johannes Alles
26.11.2009
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