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Jugendliche geben dem Pogrom ein Gesicht |
| Neuntklässler der Soldnerschule führen das Schicksal eines jüdischen Jungen vor Augen |
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FÜRTH - Schreckliche Szenen spielten sich in der Pogromnacht vor 71 Jahren in Fürth ab. Dass sie nicht in Vergessenheit geraten, sondern als Mahnung stets neu in Erinnerung gerufen werden, dafür traten gestern Abend zahlreiche Menschen am Holocaust-Mahnmal von Kunihiko Kato in der Geleitsgasse ein.
Hier, wo Nazis in der Nacht zum 10. November 1938 die Hauptsynagoge schändeten und niederbrannten, setzten couragierte Fürther unterschiedlicher Generationen auch ein Zeichen gegen die neuen Rassisten, die das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen wollen. Die Kälte, die den in der Pogromnacht auf der heutigen Freiheit zusammengetriebenen jüdischen Mitbürgern in die Glieder gefahren war, konnten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung diesmal wieder selbst empfinden. Auch die Kälte in den Herzen derer, die ungerührt zusahen, wie jüdische Nachbarn litten, wurde greifbar. Beispielhaft thematisiert von Neuntklässlern der Soldnerschule, die dem Schicksal ihres damaligen Alterskameraden Manfred Starkhaus nachgespürt hatten. Als 13-jähriger erlebte er die Pogromnacht. Starkhaus wohnte damals im selben Haus wie der jetzige Fürther Ehrenbürger Henry Kissinger. Zwei Monate nach der Pogromnacht gelang der Familie die Flucht nach Frankreich. Hier wurde Manfred Starkhaus 1942
von der Gestapo verhaftet und in ein Vernichtungslager geschickt.
Die jüngere Schwester Edith konnte mit einem Kindertransport noch rechtzeitig nach Amerika gebracht werden. Sie lebt heute in Chicago. Die Neuntklässler, die für ihre Arbeit erst kürzlich mit dem Karl-Heinz Hiersemann-Preis ausgezeichnet worden sind, würden sie gerne nach Fürth einladen.
Als Kind hatte auch der Münchner Jude Ernst Grube die Pogromnacht durchlitten und später das Konzentrationslager Theresienstadt. Der heute 77-jährige ist zusammen mit seiner Ehefrau Helga als Zeitzeuge zur Fürther Gedenkveranstaltung gekommen und vom Engagement der Schüler beeindruckt. Dass der Staat heute lieber den Mauerfall feiert und das Gedenken an die Progromnacht den Kirchen und Kommunen überlässt, hält der Landessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes für ebenso bedenklich wie die verbreitete Verharmlosung rassistischen Gedankenguts.
Oberbürgermeister Thomas Jung, der neben Dekan Jörg Sichelstiel, Integrationsbeiratsvorsitzenden Georgios Deligeorgis und Rabbiner Shlomo Wurmser zu den rund 200 Versammelten - darunter auch Mitglieder des Bürgerforums Gräfenberg - sprach, forderte das Zusammenstehen der Demokraten gegen die Umtriebe der Neonazis. VOLKER DITTMAR |
| 10.11.2009 |
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