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Der letzte Tango in Buenos Aires

Produzent Wolfgang Latteyer zeigt seinen ersten Kinofilm im Uferpalast
 Der letzte Tango in Buenos Aires
Foto: Günter Distler
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Foto: Günter Distler
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Er heißt «Der letzte Applaus« und soll, wie man hört, so bewegend sein, dass die Zuschauer weinen. Wolfgang Latteyer, der aus Fürth stammt, hat den Film über eine Gruppe gealterter argentinischer Tangosänger in der legendären Bar «El Chino« produziert und wird ihn an diesem Samstag um 20 Uhr im Uferpalast - dort läuft «Der letzte Applaus« am Freitag an - höchstpersönlich vorstellen. Anschließend wird getanzt - Tango, was sonst?

Wolfgang Latteyer zupft an der Wandbespannung, räkelt sich in den roten Plüschsesseln und vergleicht: Ist dieser Uferpalast noch der, den er 1987 mit eingerichtet hat? Den Projektor, erinnert er sich, habe man damals in München erstanden. Sei ins ungewohnte Sakko geschlüpft, um bei den Verleihern Eindruck zu schinden. Und den Griff an die Umspulmaschine, sagt Latteyer, «den habe ich nach 20 Jahren immer noch drauf!«

Dabei steht er seit langem auf der anderen Seite, hat mittlerweile 15 Film- und Fernsehproduktionen produziert, vier Langfilme und jetzt den ersten Kinofilm. Wie kam er zum «Letzten Applaus«? «Der Film kam zu mir«, erzählt er. Der Regisseur und prämierte Dokumentarfilmer German Kral hatte seit 1999 immer wieder in Buenos Aires gedreht und das Material auf den Tisch gelegt.

Die Geschichte vom leidenschaftlichen Tango in «El Chino«, vom Zerbrechen der Gruppe, von traurigen Schicksalen und einem Neuanfang - das erinnert an den «Buena Vista Social Club« aus Kuba. Aber nur entfernt. «Es sind andere Menschen, eine andere Stadt - und wir haben keine Ray Cooder«, sagt Wolfgang Latteyer. Dafür aber gibt es viel zu erzählen. Wie man als Produzent Geld in Japan auftreibt; wie es ist, ohne ein Wort Spanisch zu können, sechs Wochen in Buenos Aires die fehlenden Stücke der Dokumentation zu drehen; was passiert, wenn die Erben eines Komponisten für 20 Sekunden Film eisenhart 12000 Euro verlangen. Das Lied flog raus - die Cutterin, die schon ein Jahr geschnitten hatte, war am Rand der Verzweiflung.

30 Kopien

Nun sind immer noch 18 Songs zu hören. Der aufwendige Soundtrack ist inzwischen bei Enja Records erschienen, der 88 Minuten lange «Letzte Applaus« tourt mit 30 Kopien in Deutschland. Allein in Berlin zeigen ihn fünf Kinos, in München vier.

«Ich bin sehr zufrieden und habe die Hoffnung, dass der Film den Sommer über läuft«, sagt Latteyer. Jetzt ist der Produzent «stolz wie Oskar«, dass er seinen ersten Kinofilm in seiner Heimatstadt zeigen kann.

Dort, wo ihn die Kinoleidenschaft packte und viele Erinnerungen kleben: Schon als Schliemann-Gymnasiast hatte er im Krawattenhaus Filme vorgeführt, sich bei der Programmauswahl engagiert und dann 1984 in Erlangen Theaterwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Soziologie studiert. Allerdings nur kurz. Unter hunderten Bewerbern gehörte er zu den 24 Auserwählten, die die Hochschule für Fernsehen und Film in München in die beiden Klassen des ersten Jahrgangs übernahm.

Der Fürther verbrachte sogar ein Semester in Los Angeles, wollte aber nicht nahe der Traumfabrik Hollywood bleiben. «Weil ich kulturell hier daheim bin«, sagt er. Möglicherweise sei es für Produzenten noch wichtiger als für Schauspieler und Regisseure, Stallgeruch mitzubringen und das Wissen, wer mit wem. Nach dem Studium war er zunächst als Producer angestellt, produzierte die TV-Romane «Falsche Freunde« und «Luftpiraten«.

Geschichten entwickeln, Geld auftreiben, Personal auswählen, die Detailprobleme am Set, die Vermarktung - all das habe ihm schon damals großen Spaß gemacht, sagt Latteyer. Bis auf diesen Drehtag ... an dem ein Treppensturz nicht klappte, die Hauptdarstellerin pampig wurde und gegen Mitternacht noch eine Großaufnahme gedreht werden musste. Die Pampige ließ sich beknien, zu einem einzigen Durchlauf. Der Regisseur, der eine zweite Einstellung brauchte, tobte. Schließlich wurde die Assistentin in Kostüm und Perücke gesteckt.

Warum tut sich einer das an? Weil er, wenn er Wolfgang Latteyer heißt, restlos begeistert ist vom Film und an die Zukunft des Kinos glaubt, trotz DVD und wandfüllender Flachbildschirme. «Zu Hause zappt man von einem Programm ins nächste. Das Gefühl, mit anderen konzentriert einen Film anzuschauen und Emotionen zu teilen, hat man so nur im Kino.«

Mit dem «Letzten Applaus« jedenfalls ist noch lange nicht Schluss - Latteyers nächstes Projekt ist eine Dokumentation über das politische Kabarett in Deutschland. GABI PFEIFFER

«Der letzte Applaus - El Ultimo Aplauso«: Freitag (21 Uhr), Samstag (20 Uhr), Sonntag (18 Uhr), Montag bis Mittwoch jeweils 20 Uhr, Uferpalast (Würzburger Straße 2). Tangoabend am Samstag ab 21 Uhr im Kulturforum (in Kooperation mit der Tanzerei Fürth). Eintritt für Film und Tanz 10, nur für Tanz 4 Euro.
2.7.2009
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