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In der Neuen Mitte brodelt die Gerüchteküche

Stadt und Investor dementieren, dass Sonae Sierra sich schon zurückgezogen hat - Einigung im City-Center?
 In der Neuen Mitte brodelt die Gerüchteküche
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Foto: Horst Linke
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FÜRTH - Hat Sonae Sierra die Pläne für eine Neue Mitte klammheimlich schon zu den Akten gelegt? Sowohl Vertreter des Investors selbst als auch Fürths Stadtspitze treten diesem Verdacht der örtlichen CSU entschieden entgegen. Allerdings macht niemand einen Hehl daraus, dass die Chancen, das Einkaufszentrum in der City noch zu realisieren, nicht mehr besonders gut stehen.

«Die Anzeichen verdichten sich, dass Sonae Sierra die Bebauung des Areals an der Rudolf-Breitscheid-Straße abgesagt hat«, schrieb Siegfried Tiefel, stellvertretender Chef der CSU-Stadtratsfraktion, den Fürther Nachrichten. Deshalb müsse sich das Augenmerk nun verstärkt auf «mögliche andere Investoren« richten. Denn weitere interessierte Unternehmen, das hat auch der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller schon sehr bald nach dem Scheitern der «großen Lösung« für die Neue Mitte bekannt, gibt es tatsächlich.

Doch woher auch immer CSU-Mann Tiefel seine Erkenntnisse bezog – von seinem Parteifreund Horst Müller kann er sie nicht haben. Denn der beteuert ebenso wie Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) mit allem Nachdruck, dass Sonae Sierra nach wie vor an Plänen tüftelt. Wie berichtet, soll das Unternehmen nun Ende Juni endgültig Farbe bekennen.

Keine großen Hoffnungen

Alles andere, so Müller auf FN-Anfrage, seien verfrühte Gerüchte deren Herkunft ihm schleierhaft sei. Er selbst mache sich freilich keine allzu großen Hoffnungen mehr, dass die Portugiesen das Ruder nach den jüngsten Tiefschlägen wieder herumreißen können, gesteht Müller unumwunden ein. Und auch Martin Philippen, zuständiger Projektentwickler bei Sonae Sierra, klingt nicht gerade frohgemut: «Es gibt noch eine kleine Chance, dass wir eine kleine Lösung finden«, formuliert Philippen eher zaghaft.

Gemeinsam mit Architekten werde noch immer geprüft, ob nach der Verkaufsweigerung eines Hausbesitzers in der Rudolf-Breitscheid-Straße und dem damit verbundenen Verlust an Masse eine deutlich reduzierte Version des Projekts machbar ist; die Ladenfläche würde dabei von den einst geplanten 25000 auf unter 20000 Quadratmeter schrumpfen.

Doch selbst wenn alles scheitert – weit von sich weist Philippen, was die örtliche CSU umtreibt: dass Sonae Sierra im Bereich der Neuen Mitte «Sperrgrundstücke« im eigenen Besitz behalten könnte, die das Engagement eines anderen Investors unmöglich machen würden. «So etwas tun wir nicht«, sagte Philippen am Freitag unserer Zeitung. Als «völlig absurd« gar bezeichnet Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller derlei Unterstellungen. Zwar seien solche Methoden im erbitterten Konkurrenzkampf großer Möbel-Konzerne nicht unüblich, doch im Fall Sonae Sierra halte er das «für ausgeschlossen«.

Neue Blickrichtung

Immer stärker verlagert sich der Blick unterdessen von der einst hoch gehandelten Neuen Mitte auf das alte City-Center. Lange Zeit fast schon abgeschrieben, scheinen sich allmählich neue Perspektiven für den 1985 erbauten Innenstadt-Einkaufstempel zu ergeben. Das Vorhaben, unter den 351 Eigentümern Einigkeit über einen Verkauf zu erzielen, befindet sich dem Vernehmen nach kurz vor dem erfolgreichen Abschluss - und einige vielversprechende Investoren verfolgen die Entwicklung laut Müller mit großer Wachsamkeit.

Dass zu ihnen nun auch mehr denn je Sonae Sierra gehört, daraus macht Martin Philippen kein Geheimnis. Möglichweise könne das City-Center – in ebenfalls verkleinerter und deutlich überarbeiteter Form – als sinnvolle Ergänzung eines neuen Angebots an der Breitscheidstraße dienen.

Fest scheint zu stehen: Mir nichts, dir nichts wird Sonae Sierra das Feld nicht räumen, denn noch immer zählt für den portugiesischen Konzern, was das Augenmerk seiner Planer vor zwei Jahren erst auf die Kleeblattstadt lenkte: Mit einem attraktiven Einzelhandelsangebot ist in Fürth sehr viel Geld zu holen.

Wolfgang Händel
22.6.2009
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