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Das Podium war namhaft besetzt, die Diskussion emotional: Zwei Stunden wurde auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) im Gasthaus Grüner Baum über das geplante Einkaufszentrum Neue Mitte debattiert. Keinen leichten Stand hatte dabei der Vertreter der Stadt Fürth.
FÜRTH - Joachim Krauße rollte mit den Augen, schlug die Hände zusammen und ließ sich immer wieder das Mikrofon reichen. Der Baureferent der Stadt hatte alle Hände voll zu tun, um den bisherigen Planungsverlauf für ein Einkaufszentrum rechts und links der Breitscheid-Straße zu verteidigen. Dabei hatte er nicht nur den Großteil des Publikums gegen sich, sondern auch die Teilnehmer der Diskussionsrunde. Zu ihr zählten Ludwig Wappner, Architekt aus dem Münchner Büro «Allmann, Sattler, Wappner», Uwe Rada, Journalist der Berliner Taz, Ulrich Karl Pfannschmidt, Vorsitzender der Stiftung des BDA Bayern, und der Münchner Rechtsanwalt Herbert Kaltenegger.
Allesamt ließen sie kein gutes Haar an dem Vorhaben des Investors Sonae Sierra, das jedoch vor dem Aus steht, weil - wie berichtet - ein Hauseigentümer nicht verkaufen will. Insbesondere die Absicht des Konzerns, einen Teil der Rudolf-Breitscheid-Straße in das Einkaufszentrum einzubeziehen, stand im Zentrum der Kritik. «Eine Straße einfach dichtzumachen, das ist zu platt», sagte etwa Architekt Wappner. Öffentlicher Raum sei zu wertvoll. Die Stadt dürfe «ihr Tafelsilber nicht einfach so preisgeben».
Zudem vertrat das Quartett die Meinung, eine Kommune müsse gegenüber einem Investor mutiger auftreten. Journalist Rada, der sich beruflich mit Stadtentwicklung auseinandersetzt, berichtete von einem abschreckenden Beispiel aus Berlin, wo Sonae Sierra bereits 2008 ein Einkaufszentrum eröffnet hat. «Das wuchs so langsam aus dem Boden und dann war das Entsetzen groß.» Sogar dem Regierenden Bürgermeister sei ein «ist das hässlich» entfahren.
Sand in den Augen
«Man sollte sich von Investoren nicht Sand in die Augen streuen lassen», warnte Herbert Kaltenegger, der als Rechtsanwalt sowohl Kommunen als auch Bürgerinitiativen beraten hat. Bei den Planungen würde es immer heißen, alles werde gut, so der Jurist, «aber das wird es nicht, weil immer die wirtschaftlichen Aspekte überwiegen». Sein Wunsch an die Stadt: «Machen Sie die Planung mit Leuten, die es können.»
Ein Einkaufszentrum in die Stadt zu holen, sei immer ein «schneller politischer Erfolg», stellte Ulrich Karl Pfannschmidt fest und fragte: «Aber ist es das auch langfristig?» Andreas Denk, Moderator der Diskussion und Chefredakteur der Zeitschrift «der architekt», nannte andere Städte, die Investoren Rahmenpläne vorgegeben hätten. «Das funktioniert, wenn man entsprechend selbstbewusst auftritt.»
Stadtbaurat Krauße entgegnete, es habe in Fürth «kein Diktat des Investors» gegeben. Lediglich von der Einbeziehung der Breitscheid-Straße wollte sich der Konzern nicht abbringen lassen. Zudem hätte die eigentliche Diskussion über ein Aussehen des Shopping-Centers erst jetzt - nach Beendigung des Architektenwettbewerbs - begonnen. Krauße zeigte sich überzeugt davon, dass man es hätte vermeiden können, «eine riesengroße Verkaufsmaschine wie anderswo» zu bauen, sondern ein Center mit einer «eigenständigen Qualität». Zudem verteidigte er die Notwendigkeit eines Einkaufscenters: «Kuschelige Läden und eine kleinteilige Stadt haben wir schon, aber das reicht eben nicht, wir brauchen eine Mischung.»
«Ich merke schon, Sie kämpfen für etwas», honorierte Architekt Wappner Kraußes Einsatz. Dennoch verwies er auf das Beispiel der Stadt Münster, die in einem fortgeschrittenen Planungsstand noch eingegriffen habe, um Vorgaben zu machen. Auch in Fürth sei es dafür nicht zu spät. «Es besteht die Chance, etwas zu entwickeln, das auf Fürth zugeschnitten ist», sagte er. Und: «Center-Betreiber müssen lernen, auf einen Ort einzugehen.»
Johannes Alles |