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Zahlen contra Zahlen: Die Bürgerinitiative Bessere Mitte hat eine Analyse angefertigt, die abstreitet, dass die Fürther über eine hohe Kaufkraft verfügen. Der Wirtschaftsreferent widerspricht und verweist auf ein GfK-Gutachten, das zwar fertig ist, jedoch noch nicht veröffentlicht wurde.
FÜRTH - Michael Müller hat sich nach eigenen Worten in den vergangenen Wochen die Hacken abgelaufen und dabei den Einzelhandel in der Innenstadt unter die Lupe genommen. Zusätzlich hat der Rentner, der in der BI aktiv ist, ausgiebig Statistiken verschiedener Ämter und Institute gewälzt. Heraus kam ein Zahlenwerk, das den Fürthern bescheinigt, über eine geringere Kaufkraft zu verfügen, als es die Stadtspitze verlauten lässt.
Müllers Schlussfolgerung: Ein Shopping-Center in der Größenordnung, wie es Sonae Sierra geplant hat, ist völlig überdimensioniert, weil die Nachfrage nicht vorhanden ist. Darunter zu leiden hätte der bestehende Einzelhandel. «Man muss von Leerständen und verödeten Straßen ausgehen», warnt Müller, der sich in Sachen Statistik keinesfalls als Laie sieht. Müller, früher an leitender Stelle in einem Großunternehmen der Region tätig, war 16 Jahre Vorstandsmitglied der Deutschen Statistischen Gesellschaft. «Ich bin faktenorientiert und erzähle keine Märchen», betont er.
Der Stadtspitze wirft er vor, in einem fort «ohne belastbare Argumente» von der hohen Kaufkraft der Fürther zu schwärmen. Diese sei aber gar nicht vorhanden, und wenn doch, so wird das Geld in den Nachbarstädten ausgegeben. Daran werde auch eine Neue Mitte nicht viel ändern.
Denn: Im Vergleich zu Erlangen und Nürnberg biete Fürth wenige Arbeitsplätze. Es kommen also wenige Pendler hierher, andererseits pendeln viele Fürther zum Arbeiten in die Nachbarstädte. Das Einkommen werde aber zu großen Teilen am Arbeitsort ausgegeben. «Fürth ist Wohnort, aber nur zum Teil Einkaufsort», sagt Müller.
Die Kaufkraft, die Fürth aus dem Umland abzieht, fließe in Großmärkte wie Ikea, Höffner und Hornbach, nicht aber in die Innenstadt. Dort wiederum leben überproportional viele Arbeitslose und Menschen «mit einem ethnisch geprägten Einkaufsverhalten», wie es Müller formuliert. Ihm zufolge würde eine Neue Mitte in bislang geplanter Größe Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht bringen und zu einem massiven Verdrängungswettbewerb führen. Fürth solle lieber das vorhandene Angebot stärken und besser präsentieren.
Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller kann die Analyse seines Namensvetters nicht nachvollziehen. Die inzwischen große Nachfrage von Investoren sei Beweis genug, dass Fürth über Kaufkraft verfüge. «Niemand investiert dort, wo er kein Geld verdienen kann», sagt er. Zudem gebe es Gutachten, die Fürth Kaufkraft bescheinigen, nicht zuletzt das jüngste GfK-Gutachten, wonach Fürth unter 21 vergleichbaren Städten auf Platz vier liege. Gerüchten, die Kommune habe die Expertise bislang nicht veröffentlicht, weil sie für die Sonae-Sierra-Pläne und die Stadt nicht schmeichelhaft ausfalle, widerspricht er. Die GfK halte sogar die geplante Größe des Einkaufszentrums mit einer Verkaufsfläche von 25 000 Quadratmetern für «in Ordnung».
Dem Gutachten zufolge werde es zwar zu «gewissen Verdrängungseffekten und Umverteilungen in der Stadt» kommen, aber die positiven Auswirkungen überwiegen. Und warum hat man das GfK-Gutachten nicht längst veröffentlicht? «Weil es von der Entwicklung überholt worden ist», sagt Müller. Sobald es neue Investorenpläne mit festen Angaben zu Verkaufsfläche und Branchen gebe, werde das Gutachten aktualisiert und, so der Wirtschaftsreferent, «sofort veröffentlicht».
Johannes Alles |