 |
| Bitte Bild anklicken! |
 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Ob die Neue Mitte noch eine Chance hat und, wenn ja, in welcher Form - niemand weiß das im Moment so genau. Auch nicht Fürths Baureferent Joachim Krauße, für den jedoch feststeht: Die Stadt selbst kann ein Projekt dieser Dimension unmöglich selbst planen, wie es in den Reihen der Bürgerinitiative Bessere Mitte immer wieder anklingt.
FÜRTH - Normalerweise ist Joachim Krauße ein eher zurückhaltender Zeitgenosse, einer, der selten von sich aus in den Vordergrund, schon gar nicht in die Öffentlichkeit prescht. Nun aber riss dem Mann an der Spitze des Baureferats der Geduldsfaden: Nachdem er in den FN erneut lesen musste, dass die Neue-Mitte-Kritiker den fehlenden planerischen Einsatz seines Hauses in Sachen Einkaufszentrum monieren, stellte er im Gespräch mit unserer Zeitung klar: Aus seiner Sicht sei das «sehr weitgehend realitätsfremd».
Das gelte im Übrigen ebenso für den anderen, im Raum stehenden Vorwurf, die Stadt liefere sich auf Gedeih und Verderb potenten Investoren aus. Die Wahrheit liege irgendwo dazwischen, denn nur im Dialog zwischen Investor und Kommune sei ein Shopping-Center dieser Größe zu stemmen. «Würde uns einer die Pistole auf die Brust setzen», beteuert Krauße, «würde ich das nicht mitmachen.»
Auch im Fall Sonae Sierra sei das nicht der Fall gewesen, und die Stadt habe sehr wohl einen sinnvollen Beitrag geleistet: Im Rahmen ihrer Möglichkeiten habe sie planerische Vorgaben gemacht. Zum Beispiel jene, den fast zerstörten und vollkommen vergessenen historischen Festsaal im Inneren des Park-Hotels zu restaurieren; oder jene, nicht noch mehr denkmalgeschützte Häuser abzureißen und von anderen, auch in Kraußes Augen außerordentlich wertvollen Bauten die Finger zu lassen.
Kein Spielraum
«Hochgradig unterstützen», sagt Krauße, würde er den Plan, dass die Stadt selbst weitere Grundstücke im Bereich der Rudolf-Breitscheid-Straße erwirbt, sollte der portugiesische Investor Sonae Sierra abspringen. Allerdings sieht er, zumal in den von der aktuellen Krise geprägten Zeiten, nicht den finanziellen Spielraum, sich Wölfel-Areal, Park-Hotel und Commerzbank mit Millionenaufwand zu sichern. Zwar fließe das Geld wieder in die Kasse zurück, wenn an einen Bauherren weiterverkauft wird; doch bis dahin müsste die Stadt für die Kredite zahlen. «Völlig unrealistisch» findet Krauße das.
Aber selbst wenn ein derartiger Husarenstreich gelänge, würde die Stadt nach Kraußes Ansicht damit lediglich ihre Verhandlungsposition gegenüber einem potenziellen Investor verbessern. Kein Unternehmen lasse sich die Vorstellungen einer Kommune vollständig aufzwängen. «Wir wären immer mit den Interessen des Investors konfrontiert.»
Gehöre zu dessen Bedingungen weiterhin die Einbeziehung von Straßenteilen ins Center, könne man das nicht einfach vom Tisch fegen, so lange sich keine Alternative bietet. Und Krauße macht nach wie vor keinen Hehl daraus, dass er im Fall Sonae Sierra die Preisgabe öffentlichen Raums für vertretbar hält. Denn dem stehe einerseits eine für Fürther Verhältnisse «gewaltige Investition» gegenüber, zum anderen «die Chance, eine ganze Reihe von städtebaulichen Missständen zu beseitigen».
Unter dem Strich resultiere daraus für ihn eine «deutliche Attraktivitätssteigerung». Das Konzept von Sonae Sierra, bedauert Krauße, habe «eine Qualität, die selten ist» - und dies in «der Mitte der Stadtmitte», wie er schwärmt.
Krauße räumt ein, dass mancher seiner führenden Mitarbeiter durchaus anders darüber denkt, versichert aber: Niemand bekomme einen Maulkorb, man habe gegenseitigen «Respekt vor abweichenden Meinungen».
Ob der Zug für Fürth nun abgefahren ist oder nicht, wagt Krauße nicht zu prognostizieren. Ihm bereite allerdings die «Beliebigkeit» Bauchschmerzen, die die derzeitige Diskussion um mögliche andere Investoren suggeriere. Er «spüre Bedenken, dass man unter Erfolgsdruck Qualitätsansprüche aufgibt». Deshalb rät Krauße dringend zum bedächtigen Vorgehen. Man sollte die Chance nutzen, um durchzuatmen, meint der Baureferent. «Es muss eine gewisse Ruhe rein, um ein positives Ergebnis zu erreichen.»
Wolfgang Händel |