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Fürths Rathauschef heizt die Diskussionen an

Thomas Jung muss sich harte Kritik wegen Äußerungen zur Neuen Mitte gefallen lassen - «Emotional berührt«
 Fürths Rathauschef heizt die Diskussionen an
Foto: Winckler
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FÜRTH - Wegen Äußerungen über den Hausbesitzer, der durch seine Verkaufsweigerung die Pläne für die Neue Mitte blockiert, gerät Oberbürgermeister Thomas Jung zusehends in die Schusslinie. In etlichen Briefen an und in Gesprächen mit unserer Redaktion zeigen sich Menschen empört über Jungs Bedauern, dass eine Enteignung in diesem Fall nicht möglich ist (siehe auch Leserbriefseite 4).

Zunächst durfte man annehmen, dass es dem Rathauschef nur im ersten Zorn über die für Stadt und Investor fatale Entwicklung herausrutschte: «Für jeden Gehweg und jeden Spielplatz kannst du enteignen, aber nicht für Arbeitsplätze und Kaufkraft«, sagte Jung den Fürther Nachrichten am vergangenen Donnerstag. Wenige Stunden zuvor hatte ihn die Nachricht ereilt, dass das von ihm massiv unterstützte, 150 Millionen Euro teure Einkaufszentrum in Fürths City zu scheitern droht - weil ein Hausbesitzer nicht bereit ist, an den portugiesischen Investor Sonae Sierra zu verkaufen.

Jung machte keinen Hehl daraus, dass es für ihn nur schwer hinnehmbar ist, keine weitere rechtliche Handhabe gegen den Mann zu besitzen; zwar handle es sich bei der Neuen Mitte um ein privates Projekt, aber immerhin, so der OB, stehe eine «einmalige Chance« auf dem Spiel, «die so schnell nicht wiederkommt«.

Eine Aussage mit Brisanz. Doch wer angenommen hatte, Jung würde es dabei bewenden lassen, täuschte sich. Tags darauf verschärfte der OB den Ton, als er in seinem Grußwort bei der Maikundgebung der Fürther Gewerkschaften als Vergleichsgröße nicht mehr Gehweg und Spielplatz bemühte, sondern ein «Hundeklo«, für das man jederzeit enteignen könne. Als diesen Montag nun die Architektenentwürfe für das Einkaufszentrum vorgestellt wurden, wiederholte er dies noch einmal.

Selbst anwesende Verantwortungsträger, die dem SPD-Stadtoberhaupt sonst gewogen sind, gaben sich gegenüber unserer Zeitung irritiert. So etwas dürfe man doch nicht öffentlich sagen, murrten sie hinter vorgehaltener Hand. In Leserzuschriften ist von einem «Verlust der Bodenhaftung«, von «unerträglichen Reaktionen« und davon die Rede, dass der Rathauschef die Sache zu persönlich nehme.

Gestern von den FN mit der Welle öffentlicher Empörung konfrontiert, räumte Jung ein, dass ihn die Ereignisse der vergangenen Tage «emotional sehr berührt« hätten. «Und auch mir muss es gestattet sein, meine Empfindungen auszudrücken«, rechtfertigt sich der OB.

Natürlich kenne, akzeptiere und respektiere er die «hohen rechtlichen Hürden«, die einer Enteignung, zumal zu Gunsten privater Bauherren, entgegenstehen; doch bleibe er dabei, dass «ich es sehr bedauerlich finde, dass nicht die Bürger, sondern ein Einzelner die Entscheidung über ein Projekt trifft, das solche Bedeutung für viele Einzelhändler und die Stadtentwicklung hat«.

Für ihn stelle sich zudem die grundsätzliche Frage, ob bei einem Vorhaben wie der Neuen Mitte tatsächlich die privaten Interessen eines Investors oder die des Allgemeinwohls überwiegen. «Nicht nur Gehwege liegen im Allgemeinwohl, sondern auch Arbeitsplätze«, argumentiert Jung. «Aber ich gebe zu: Die Grenze ist schwer zu ziehen.«

Die Schlappe mit der Neuen Mitte nage auch deshalb so heftig an ihm, weil er zum dritten Mal mit einem derartigen Konflikt zwischen bedeutenden Fürther Wirtschaftsprojekten und Einzelinteressen konfrontiert wird. Der Ikea-Neubau in Poppenreuth wäre um ein Haar an einem Gartenbesitzer gescheitert, Saturn am Parkplatz eines Anwohners. In beiden Fällen gab es ein Happy End für ihn. «Diesmal spüre ich, dass es auch anders ausgehen könnte«, sagt Jung. «Und das bewegt mich schon.«

Als völlig haltlos empfindet er allerdings, dass man ihm nun sogar Mobbing gegen den sich verweigernden Hausbesitzer vorwirft. Ganz bewusst und trotz mancher hartnäckiger Nachfrage habe er niemals dessen Namen genannt und auch keine Adresse des in Westmittelfranken lebenden 77-Jährigen preisgegeben.

Wolfgang Händel
7.5.2009 13:00 MEZ
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