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Ernüchterung statt Erkenntnis

Vorstellung der Neue-Mitte-Entwürfe fand kaum noch Widerhall - Kein Stillstand
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FÜRTH - Monatelang hatte man diesem Tag entgegengefiebert, es sollte der Moment der Erkenntnis werden: Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs für die Neue Mitte werden präsentiert. Am Montagnachmittag war es endlich so weit - und die Stimmung schwankte zwischen Ernüchterung und Lustlosigkeit, denn zu verwenden sind die Entwürfe kaum noch.

Der 77-jährige Besitzer des Hauses Nummer 12 in der Rudolf-Breitscheid-Straße hat den Planern mit seiner Weigerung, an den portugiesischen Investor Sonae Sierra zu verkaufen, einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht (wir berichteten). Damit ist alles, was anderthalb Jahre lang für das Einkaufszentrum links und rechts von Breitscheid- und Hallstraße diskutiert wurde, über Nacht unbrauchbar geworden. Auch die jetzt vorliegenden Architektenentwürfe sind Muster ohne Wert.

Durchaus interessante, bisweilen auch irritierende Ideen finden sich darunter: Ein Glasdach beispielsweise hat die Form einer schwebenden Wolke und erinnert in der Gestaltung ein wenig an die Hülle der Münchner Allianz-Arena; ein anderes gibt dem Center den Charakter einer mächtigen Kathedrale und ließ manchen Betrachter erschrocken zurückweichen.

Der Entwurf des Fürther Architekten Peter Dürschinger wiederum mutet bewusst südländisch an: Weil bereits das Fürther Rathaus dem florentinischen Palazzo Vecchio nachempfunden ist, sollte sein das Park-Hotel ersetzender Baukörper ebenfalls an einen italienischen Palazzo erinnern; eine angrenzende Fläche mutiert bei Dürschinger zur Piazza.

Überlegenswert fanden das einige, doch wirklich vom Hocker reißen konnte es angesichts der jüngsten dramatischen Entwicklung niemanden mehr. Auf eine detaillierte Vorstellung verzichtete Baureferent Joachim Krauße denn auch mit dem Einverständnis der versammelten Stadträte von Wirtschafts- und Bauausschuss. Möglicherweise werden die Entwürfe noch einmal in einer kleinen Ausstellung öffentlich präsentiert; doch selbst das ist reichlich ungewiss.

Kein erster Preis

Einen ersten Preis übrigens hatte die Jury des Wettbewerbs nicht vergeben, denn keines der Architekturkonzepte konnte sie rundum überzeugen. «Alle Arbeiten hatten gewisse Stärken, aber auch gewisse Schwächen«, so Krauße. Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller indes schwang sich ebenso wie Oberbürgermeister Thomas Jung schon wieder zu vorsichtigem Optimismus auf.

Er glaube fest daran, dass selbst im Fall des Scheiterns von Sonae Sierra ein neues Einkaufszentrum im bisher dafür reservierten Bereich machbar ist. Vorsorgliche Gespräche mit drei Interessenten werde man demnächst führen. Immerhin habe die massive Medienberichterstattung der vergangenen zehn Monate über Fürths Neue Mitte andere potenzielle Investoren hellhörig werden lassen.

Allerdings, betont Müller, müsse jede Lösung für die Innenstadt «eine Größe haben, die uns voranbringt«. Nur mit einer Wiederbelebung des der Stadt gehörenden Fiedler-Gebäudes etwa sei es keineswegs getan - zumal sich die Situation des schon bestehenden Fürther Einkaufstempels City-Center weiterhin als reichlich aussichtslos darstelle: Dort gebe es «hunderte zerstrittener Eigentümer«, so OB Jung, es herrsche «Handlungsunfähigkeit«.

Auch er drängt deshalb darauf, die so lange und so intensiv diskutierte Belebung der Einkaufslandschaft weiter zügig voranzutreiben – und das genau auf dem bereits ins Auge gefassten Areal. Die Anregung von Sonae Sierra, das Center notgedrungen nun doch auf dem Poppenreuther Kavierlein-Gelände und damit weit weg von der City zu realisieren, lehnt die Stadtspitze strikt ab. «Das wäre der Tod der Innenstadt«, ist Jung überzeugt – und erntet damit Zustimmung quer durch alle politischen Lager.

Nach wie vor hat der Rathauschef nicht verwunden, dass eine derart wichtige Weichenstellung wie die Neue Mitte nun «nicht der Stadtrat oder ein Bürgerentscheid, sondern ein einzelner betagter Mensch aus eigener Willkür« zu verhindern droht. Noch eine Schippe legte FDP-Stadtrat Kurt Georg Strattner nach. «Ich kann für das Seelenheil dieses Menschen nicht mehr beten«, gab der Malermeister, selbst schon 78 Jahre alt, verbittert zu Protokoll.

Wolfgang Händel
5.5.2009
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