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Die Stadt hat Plan B schon in der Schublade

Fürths Wirtschaftsreferent versichert: Sollte die Neue Mitte scheitern, gibt es weitere Optionen für die City
 Die Stadt hat Plan B schon in der Schublade
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FÜRTH - Es ist eine paradoxe Situation: Am Montagnachmittag werden in einer gemeinsamen Sitzung von städtischem Wirtschafts- und Bauausschuss die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des Architektenwettbewerbs für die Neue Mitte vorgestellt - und schon bevor sie das Licht der Öffentlichkeit erblicken, sind sie nur Makulatur, weil sich die bisherige Planung für das Einkaufszentrum in der City erledigt hat.

Sechs renommierte Büros haben seit Weihnachten im Auftrag des portugiesischen Investors Sonae Sierra darüber gegrübelt: Wie soll das neue Shopping-Center aussehen, wie viel Fläche in wie vielen Geschossen wird es haben, wie kann man den Verlust denkmalgeschützter Bausubstanz verhindern? Und nicht zuletzt: Wie ist es auf möglichst elegante Weise zu bewerkstelligen, Teile der Breitscheidstraße und der Hallstraße zu integrieren, ohne diesen ihren öffentlichen Charakter zu rauben?

Vertreter von Stadt und Sonae Sierra blickten frohgemut der abschließenden Jury-Sitzung entgegen, die am Donnerstag stattfand. Doch es sollte anders kommen. Wie berichtet, gab der Besitzer des einzigen Gebäudes im betroffenen Bereich, der noch nicht verkauft hatte, Sonae Sierra einen endgültigen Korb. Dadurch werden anderthalb Jahre Planung über den Haufen geworfen, und auch die teuer bezahlten Konzepte der Architekten sind kaum noch etwas wert.

Ein «herber Rückschlag« sei das, sagt der Deutschland-Chef von Sonae Sierra, Thomas Binder. In spätestens vier Wochen wird feststehen, ob es auf dem verbliebenen Areal überhaupt weitergeht oder ob das Projekt Neue Mitte zu den Akten gelegt werden kann. Sollten sich die Portugiesen nach der schweren Schlappe zu einem weiteren Engagement in der Kleeblattstadt aufraffen, wären aus dem Wettbewerb allenfalls noch die Erkenntnisse hinsichtlich des öffentlichen Straßenraums verwertbar, glaubt Binder.

Offene Fragen

Da die Präsentation am Montag also nur noch begrenzt Sinn hat, wird sich die Sitzung wohl eher um offene Fragen drehen müssen. Die wichtigste: Was passiert, wenn Sonae die Segel streicht? «Noch ist Fürth nicht verloren«, antwortete der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller den Fürther Nachrichten am Sonntagnachmittag. Es bringe nichts, nach der jüngsten dramatischen Entwicklung in «Schockstarre« zu verharren, meint er.

Müller macht keinen Hehl daraus, dass er den Weg liebend gern weiter mit Sonae Sierra gehen würde, doch man dürfe auch keine Augenwischerei betreiben: Die Chancen dafür, «in den nächsten vier Wochen etwas aus dem Hut zu zaubern« seien «eher gering«. Allerdings habe er für den Fall des Scheiterns bereits mehrere andere Interessenten für eine Belebung der innerstädtischen Einkaufslandschaft an der Hand, die «potent genug sind und für eine kleinere Lösung aufgeschlossen wären«, verrät Müller. Sein Plan B: «Überlegungen für ein mittelgroßes Center« im selben Bereich, den Sonae Sierra beackert hat. 15000 bis 18000 statt der bisher anvisierten 25000 Quadratmeter Verkaufsfläche schweben Müller dabei vor.

Für möglich hält er inzwischen sogar, dass die Stadt bei einem «zweiten Anlauf« neben dem Fiedler-Areal weitere Grundstücke selbst kauft - und damit der Forderung der Bürgerinitiative entgegenkommt, sich die Planungshoheit zu sichern. Allerdings macht Müller den bisherigen Kritikern der Neuen Mitte in anderer Hinsicht wenig Hoffnung: Die von der BI favorisierte, dezentrale Lösung mit einem in mehrere Komplexe gegliederten Einkaufszentrum sei wohl auch mit keinem der weiteren Interessenten machbar. Dieses Konzept habe für sie schlichtweg «nicht die Attraktivität« wie ein geschlossenes Center.

Doch was die nächsten Wochen auch bringen - für Müller steht fest: «Bis zum Jahresende muss klar sein, was machbar ist. Eine Hängepartie über mehrere Jahre können wir der Fürther Innenstadt nicht zumuten.«

Wolfgang Händel
4.5.2009
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