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Kommentar:

Kein Grund zur Schwarzmalerei

Neue Mitte: Das Ende der Planung kann eine Chance sein
 Kein Grund zur Schwarzmalerei
Diese Nachricht schlug nun wirklich ein wie die sprichwörtliche Bombe: Ein älterer Herr, der sich weigert, sein Eigentum preiszugeben, bringt das 150 Millionen Euro schwere Projekt «Neue Mitte» an den Rand des Abgrunds. Nicht etwa ein von beharrlicher Kritik entnervter Investor, auch kein Bürgerentscheid, nein: Ein einziger Hausbesitzer könnte den hochfliegenden Plänen für den Einkaufstempel im Fürther Zentrum am Ende den Garaus machen – was für eine bizarre Entwicklung.

Schon seit Monaten wussten Eingeweihte, dass die Zustimmung dieses einen Eigentümers noch ausstand, doch man hielt sie mehr oder minder für Formsache. Ein fataler Irrglaube. Böse Zungen könnten auch sagen, es sei allzu viel von Zweckoptimismus befeuerte Naivität im Spiel gewesen.

Doch ob das Debakel nun absehbar hätte sein können oder nicht – geschenkt. Wichtig ist einzig und allein die Frage: War’s das? Vieles spricht seit gestern dafür, denn Zuversicht sieht anders aus als das, was die städtische Führungsriege bei der Bekanntgabe der für sie äußerst schmerzlichen Panne zur Schau trug.

Dabei muss man gar nicht unbedingt tiefschwarz sehen. Wer ein bisschen positiv zu denken vermag, kann sich an den bewährten Sinnspruch halten: Jede Krise birgt auch eine Chance in sich. Im Fall Neue Mitte könnte sie so aussehen: Der jetzige Investor plant eine Nummer kleiner und kommt damit den Forderungen der Gegner ein Stück weit entgegen. Dass die kritischen Geister aus den Reihen der Bürgerinitiative damit restlos zu befrieden wären, das wäre freilich der nächste naive Trugschluss.

Vielleicht aber scheitert Sonae Sierra mit seinem Konzept am Ende tatsächlich. Wäre es wirklich das oft prophezeite Desaster für Fürth? Wohl kaum, denn die dringende Notwendigkeit, im Bereich rund um Fiedler-Komplex und Wölfel-Areal etwas in Gang zu bringen, bleibt – und sie hat sich längst selbst in den Köpfen der skeptischsten Fürther festgesetzt. Und nicht nur dort, wie man vermuten darf. Warum sollten allein die Portugiesen erkannt haben, dass mit der lange unterschätzten Fürther Kaufkraft gutes Geld zu machen ist?

Das Feld ist bereitet, es wird auch bestellt werden. Durchaus möglich, dass es nicht ganz so schnell geht, wie man sich das zunächst vorgestellt hat und wie es im Interesse der nach wie vor kränkelnden Innenstadt wünschenswert wäre. Aber – es sei erlaubt, einen weiteren Sinnspruch zu bemühen – in der Ruhe liegt die Kraft. Zumindest meistens. WOLFGANG HÄNDEL
1.5.2009
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